Name und Herkunft der Gemeinschaft
Einen Volksnamen im eigentlichen Sinn trägt diese Gemeinschaft nicht. Was als ihr Name gilt, ist eine Selbstbezeichnung, die erst im Schriftverkehr greifbar wird: Als die Zwerge Beutelsend im Morgengrauen verlassen, zeichnen sie ihre Nachricht an Bilbo nach Art eines Handelshauses, mit dem Namen ihres Anführers und dem abgekürzten Zusatz für die übrigen Teilhaber. Die Form passt zum Ton des ganzen Schreibens, das die Fahrt als Geschäft behandelt und den Hobbit als angeworbenen Fachmann für ein bestimmtes Gewerbe. Die deutsche Ausgabe übernimmt diese kaufmännische Kürzung unverändert und nennt den Hobbit darin ihren Meisterdieb. Die Gemeinschaft bestimmt sich somit nicht über Abstammung oder Land, sondern über den Vertrag, der sie zusammenhält, und über den Mann, dessen Namen sie voranstellt.1
Ihrer Herkunft nach gehören die dreizehn Zwerge zu Durins Volk, genauer zu jenem Zweig, der unter dem Einsamen Berg ansässig gewesen war, bis der Drache Smaug ihn vertrieb. Thorin selbst führt sich auf Thror, den letzten König unter dem Berg, und auf dessen Sohn Thrain zurück; in seiner Rede am Kamin von Beutelsend erzählt er vom Überfall des Drachen und vom Verlust des väterlichen Erbes. Die Anhänge zum Herrn der Ringe ordnen die Gefährten in dieses Geschlecht ein und zeigen, dass mehrere von ihnen Thorin durch nahe Verwandtschaft verbunden waren, andere seinem Haus seit langem dienten. Die Gemeinschaft ist darum weniger eine zufällige Reisegruppe als ein Kern der Verbannten, der den Anspruch seines Königshauses weiterträgt.2
Wie die Gesellschaft überhaupt zustande kam, erzählt eine erst nach Tolkiens Tod veröffentlichte Darstellung aus Gandalfs Sicht. Danach begegnete der Zauberer Thorin in Bree, als dieser über einen Weg nachsann, das verlorene Reich zurückzugewinnen. Gandalf, den die Sorge umtrieb, der Drache könne im Norden einer größeren Macht zur Waffe werden, riet von offener Gewalt ab und bestand darauf, dass ein Hobbit das Unternehmen begleite. Thorin willigte nur widerstrebend ein. Aus dieser Übereinkunft zwischen dem König im Exil und dem Zauberer ging die Gemeinschaft hervor, die sich später im Auenland versammelte.3
Geschichte der Gemeinschaft

Die Zeittafel der Anhänge verzeichnet Thorins und Gandalfs Besuch im Auenland unter dem Jahr 2941 des Dritten Zeitalters. Auf ein Zeichen hin, das der Zauberer in Bilbos Tür geritzt hatte, fanden sich die Zwerge in kleinen Gruppen in Beutelsend ein. Gandalf legte dort eine Karte und einen Schlüssel vor, die ihm einst Thrain anvertraut hatte. Der Plan der Gesellschaft zielte auf eine verborgene Seitenpforte des Berges, nicht auf den offenen Kampf. Am folgenden Morgen stieß Bilbo in Wasserau zu ihnen, und man ritt auf Ponys ostwärts. Jenseits der bewohnten Lande geriet die Gesellschaft an drei Trolle, die erst den ausgeschickten Hobbit und dann die Zwerge überwältigten; Gandalf hielt die Unholde mit verstellter Stimme im Streit, bis das Tageslicht sie zu Stein werden ließ. In ihrer Höhle fanden die Gefährten Vorräte, Gold und alte Klingen.1
In Bruchtal fand die Gesellschaft Rast. Elrond erkannte die erbeuteten Schwerter als Arbeit aus Gondolin und entdeckte auf der Karte eine verborgene Mondschrift, die einen Hinweis zur Öffnung der Seitenpforte enthielt. Beim Übergang über das Nebelgebirge suchten die Reisenden vor einem Unwetter Schutz in einer Höhle und wurden dort von Orks verschleppt. Gandalf befreite sie und erschlug den Anführer der Orks, doch auf der Flucht durch die Stollen ging Bilbo verloren und fand erst später unbemerkt zu den anderen zurück. Am Osthang stellten Warge und Orks die Gesellschaft in den Bäumen, bis Adler sie davontrugen.2
Der Hautwechsler Beorn gewährte den Reisenden Obdach, Ponys und Rat für den weiteren Weg. Am Saum des Düsterwaldes trennte sich Gandalf von ihnen, um eigenen Geschäften nachzugehen, und von da an war die Gemeinschaft auf sich gestellt. Im Wald gingen die Vorräte zur Neige; Bombur fiel in einen verzauberten Bach und musste schlafend getragen werden. Als die Zwerge den Lichtern von Elbenfesten nachliefen, verloren sie den Pfad und gerieten in die Netze riesiger Spinnen, aus denen Bilbo sie befreite. Kurz darauf nahmen die Waldelben die Zwerge gefangen; Thorin war schon zuvor gesondert ergriffen worden und verweigerte dem Elbenkönig jede Auskunft über das Ziel der Fahrt. Bilbo, der unsichtbar blieb, schmuggelte die Gefährten schließlich in Fässern auf dem Fluss aus der Festung.3
In der Seestadt wurde Thorin als Erbe des Königs unter dem Berg empfangen, und die alten Lieder von der Wiederkehr schienen sich zu erfüllen; der Herr der Stadt rüstete die Gesellschaft aus, nicht zuletzt, um sie rasch wieder loszuwerden. Am Berg suchten die Zwerge lange vergeblich nach der Pforte, bis sich am Durinstag das Schlüsselloch im letzten Licht zeigte, wie es die Karte angekündigt hatte. Bilbo stieg allein hinab und brachte einen Becher aus dem Hort zurück. Der Drache bemerkte den Verlust, verwüstete den Berghang und tötete die Ponys, während sich die Gefährten im Gang verbargen. Danach wandte sich Smaug gegen die Seestadt und fiel dort durch den Pfeil des Bogenschützen Bard.4
Mit dem Tod des Drachen änderte sich die Lage der Gemeinschaft grundlegend. Thorin ließ das Tor befestigen und sandte nach seinem Vetter Dain in den Eisenbergen, als Menschen vom See und Waldelben vor dem Berg erschienen und Anteil am Hort verlangten. Er wies jede Forderung ab; Bilbo übergab daraufhin den Arkenstein heimlich an Bard als Pfand für eine Einigung und wurde von Thorin verstoßen. Der Streit endete erst, als Orks und Warge heranzogen und sich Zwerge, Menschen und Elben gegen sie in der Schlacht der Fünf Heere verbanden. Thorin wurde tödlich verwundet und versöhnte sich vor seinem Tod mit Bilbo; Fili und Kili fielen bei seiner Verteidigung. Dain wurde König unter dem Berg, und Bilbo nahm von dem ihm zugesagten Anteil nur zwei kleine Truhen mit nach Hause.5
Als Vertragspartei endete die Gemeinschaft mit dem Tod ihres Anführers; ihre überlebenden Mitglieder blieben unter Dains Herrschaft im Erebor. Einige Jahre später besuchten Balin und Gandalf den Hobbit in Beutelsend und berichteten vom neuen Wohlstand in Thal und unter dem Berg. Die Zeittafel vermerkt, dass Balin im Jahr 2989 den Erebor verließ, um Moria zurückzugewinnen; Ori und Oin gingen mit ihm. Im Jahr 2994 wurde die Kolonie vernichtet, und die Gefährten des Ringes fanden später Balins Grab und die Aufzeichnungen der letzten Verteidiger. Gloin, der in Bruchtal vom Verbleib der alten Gefährten erzählte, war da einer der wenigen, die noch Auskunft über die einstige Gesellschaft geben konnten.6
- 1Der Herr der Ringe, Anhang B, The Tale of Years; Der Hobbit, Kapitel 1, An Unexpected Party; Der Hobbit, Kapitel 2, Roast Mutton
- 2Der Hobbit, Kapitel 3, A Short Rest; Der Hobbit, Kapitel 4, Over Hill and Under Hill; Der Hobbit, Kapitel 6, Out of the Frying-Pan into the Fire
- 3Der Hobbit, Kapitel 7, Queer Lodgings; Der Hobbit, Kapitel 8, Flies and Spiders; Der Hobbit, Kapitel 9, Barrels Out of Bond
- 4Der Hobbit, Kapitel 10, A Warm Welcome; Der Hobbit, Kapitel 11, On the Doorstep; Der Hobbit, Kapitel 12, Inside Information; Der Hobbit, Kapitel 14, Fire and Water
- 5Der Hobbit, Kapitel 15, The Gathering of the Clouds; Der Hobbit, Kapitel 16, A Thief in the Night; Der Hobbit, Kapitel 17, The Clouds Burst; Der Hobbit, Kapitel 18, The Return Journey
- 6Der Hobbit, Kapitel 19, The Last Stage; Der Herr der Ringe, Anhang B, The Tale of Years; Der Herr der Ringe, Buch II, Kap. 1; Der Herr der Ringe, Buch II, Kap. 5
Lebensweise und Handwerk der Gesellschaft

Schon der Abend in Beutelsend zeigt die Zwerge als Leute mit festen Gewohnheiten. Jeder trägt eine farbige Kapuze, die er beim Eintreten an den Haken hängt: Dwalin eine dunkelgrüne, Balin eine scharlachrote, Thorin eine himmelblaue mit langer silberner Quaste. Nach dem Mahl räumen sie Bilbos Geschirr mit spöttischem Gesang und ohne einen einzigen Teller zu zerbrechen. Danach holen sie ihre Instrumente hervor. Fili und Kili spielen Fiedeln, Dori, Nori und Ori Flöten, Bifur und Bofur Klarinetten, Balin und Dwalin Violen, Bombur eine Trommel, und Thorin eine Harfe, die er in ein Tuch gehüllt mitgebracht hat. Ihr Lied von den Bergen und dem verlorenen Gold weckt im Hobbit zum ersten Mal die Sehnsucht nach der Ferne.1
In Thorins Erzählung erscheint das Zwergenhandwerk als Kern dessen, was verloren ging. Unter dem Berg hatten seine Vorfahren Metall bearbeitet, Waffen und Rüstungen geschmiedet und kunstvolle Dinge gefertigt, auch Spielwerk für die Menschen in Thal. Im Exil blieb davon wenig: Die Vertriebenen verdienten ihr Brot als Schmiede und mussten sogar Kohle graben. Aus dieser Lage erklärt sich die nüchterne, geschäftsmäßige Haltung der Gesellschaft. Als sie die Pforte am Berg geöffnet hat, erinnert Thorin den Hobbit ohne Umschweife daran, dass das Eindringen in den Hort nun dessen Aufgabe sei, wofür man ihn schließlich angeworben habe.2
Über ihre Sprache geben die Zwerge Fremden kaum Auskunft. Die Namen, unter denen die dreizehn bekannt sind, stammen nach den Anhängen aus der Sprache der Menschen des Nordens; ihre eigene Zunge, das Khuzdul, hüteten sie als Geheimnis, und ihre inneren Namen verrieten sie niemandem außerhalb ihres Volkes, nicht einmal auf Grabsteinen. Das Verhältnis zu Besitz und Vergänglichkeit wendet sich erst am Ende. Der sterbende Thorin räumt ein, dass die Welt fröhlicher wäre, wenn mehr ihrer Bewohner Speise, Heiterkeit und Gesang höher schätzten als gehortetes Gold. Er wurde tief im Berg beigesetzt, den Arkenstein auf der Brust und das Elbenschwert Orkrist auf seinem Grab.3
Sippen und Häuser innerhalb der Gemeinschaft
Nach Stämmen oder Häusern gliedert sich die Gesellschaft nur dort, wo die Texte Verwandtschaft ausdrücklich benennen, und das tun sie sparsam. Im Mittelpunkt steht das königliche Haus aus Durins Linie, dem Thorin als ältester lebender Erbe vorsteht. Ihm am nächsten stehen Fili und Kili: Die Anhänge nennen sie Söhne seiner Schwester Dis, und schon der Hobbit hält fest, dass Thorin der ältere Bruder ihrer Mutter war. Damit reisen mit dem Anführer die einzigen Angehörigen, die nach ihm selbst dem Stamm des Königshauses am nächsten sind.1
Eine zweite, deutlich umrissene Sippe zeigt erst die Stammtafel von Durins Volk. Sie leitet Balin und Dwalin als Söhne Fundins, Oin und Gloin als Söhne Groins her; die beiden Väter waren Brüder und Enkel Borins, eines jüngeren Sohnes von Nain II. Diese vier Gefährten gehören also einer Seitenlinie des Königshauses an, die sich einige Geschlechter vor Thror abgezweigt hatte, und sind Thorin entfernt verwandt. Im Herrn der Ringe setzt sich diese Linie sichtbar fort, als Gloin mit seinem Sohn Gimli nach Bruchtal kommt.2
Über die übrigen Gefährten schweigen die zu Lebzeiten veröffentlichten Werke in dieser Hinsicht. Dori, Nori und Ori ebenso wie Bifur, Bofur und Bombur treffen in Beutelsend zwar in kleinen Gruppen ein, und ihre gleich klingenden Namen legen Zusammengehörigkeit nahe, doch weder die Erzählung noch die Stammtafel ordnet sie einem Haus zu oder bestimmt ihr Verhältnis zueinander. Ob sie überhaupt Durins Geschlecht angehören, bleibt dort offen. Eine eigene Rangordnung der Sippen innerhalb der Gemeinschaft kennt der Text nicht: Geführt wird sie allein von Thorin, und die Unterschiede der Herkunft treten hinter dem gemeinsamen Unternehmen zurück.3
Rolle in der Erzählung

Erzählerisch dient die Gesellschaft zunächst als Anstoß: Sie bricht in eine behagliche, auf Ordnung bedachte Hobbitwelt ein und zieht ihren Gastgeber aus ihr heraus. Als Einzelne treten die meisten Zwerge dabei kaum hervor. Sie sprechen oft im Chor, handeln als Gruppe und werden nur an wenigen Stellen schärfer gezeichnet, etwa Thorin als würdevoller, gern weitschweifiger Redner, Balin als aufmerksamer Späher oder Bombur als wiederkehrende komische Last. Ihre eigentliche Aufgabe im Buch besteht darin, Bilbo einen Maßstab zu liefern, an dem sich seine Verwandlung ablesen lässt. Schon am ersten Abend zweifeln sie laut, ob dieser Hausherr zum Dieb tauge, und Gloin hält ihn eher für einen Krämer als für einen Fachmann.1
Im Lauf der Fahrt kehrt sich das Verhältnis zwischen Auftraggebern und Angeworbenem um. Nach den Ereignissen im Düsterwald beginnen die Zwerge, dem Hobbit Achtung entgegenzubringen, und am Berg ist er es, der eigene Pläne fasst, während sie auf seinen Rat warten. Der Erzähler begleitet diese Wendung mit einem nüchternen Urteil über die Gefährten: Helden im hohen Sinn seien Zwerge nicht, vielmehr berechnende Leute mit einem ausgeprägten Sinn für den Wert des Geldes, manche von ihnen aber durchaus anständig, sofern man nicht zu viel erwarte. Diese Einschätzung bewahrt die Gesellschaft vor der Verklärung und hält den Ton der Erzählung kühl.2
Wofür die Gemeinschaft steht, zeigt sich am deutlichsten an ihrer Vertragssprache. Was zu Beginn als heitere Spielerei mit kaufmännischen Formeln erscheint, wird am Ende zum Prüfstein. Bilbo greift die Rechnung selbst auf, wenn er den Stein, den er aus der Hand gibt, als Gegenwert seines Anteils betrachtet, und setzt damit das Geschäftsdenken der Gesellschaft gegen deren eigene Unnachgiebigkeit ein. So verkörpert die Gemeinschaft im Buch eine Spannung zwischen verbrieftem Anspruch und Anstand, die sich nicht durch Heldentat, sondern durch den Verzicht eines Einzelnen auflöst.3
Die Gesellschaft in Verfilmungen
Die erste filmische Fassung der Gesellschaft ist der Zeichentrickfilm von Rankin/Bass, der 1977 im amerikanischen Fernsehen gezeigt wurde. Thorin spricht dort Hans Conried, neben Orson Bean als Bilbo und John Huston als Gandalf. Die dreizehn Zwerge bleiben vollzählig, doch der Film verdichtet die Fahrt auf rund anderthalb Stunden und stützt sich stark auf Lieder. Das geht vor allem zu Lasten der Zwischenstationen. Beorn fehlt ganz, und mit ihm die Rast, die der Gesellschaft im Buch vor dem Düsterwald Kraft und Ausrüstung verschafft. Als Gruppe bleibt die Gemeinschaft erkennbar, als Einzelne gewinnen die meisten Zwerge neben ihrem Anführer kaum eigenes Gewicht.1
Anders verfährt Peter Jacksons Trilogie aus den Jahren 2012 bis 2014, die jedem der dreizehn einen eigenen Darsteller und ein eigenes Profil gibt. Richard Armitage spielt Thorin, Ken Stott Balin, Graham McTavish Dwalin, Dean O’Gorman Fili und Aidan Turner Kili; James Nesbitt übernimmt Bofur, Stephen Hunter Bombur, William Kircher Bifur, Mark Hadlow Dori, Jed Brophy Nori, Adam Brown Ori, John Callen Oin und Peter Hambleton Gloin. Die Filme greifen auf die Anhänge zurück und erweitern die Handlung um eigenen Stoff. Zu den deutlichsten Abweichungen gehört der Ork Azog, der nach den Anhängen längst vor der Fahrt gefallen war, hier aber die Gesellschaft als Widersacher verfolgt und Thorin zuletzt im Zweikampf gegenübersteht. Außerdem trennt sich die Gemeinschaft zeitweise: Kili, Fili, Oin und Bofur bleiben in der Seestadt zurück, als die übrigen zum Berg aufbrechen. Kili erhält zudem eine Zuneigung zur Elbin Tauriel, einer Figur, die das Buch nicht kennt. Schließlich stellen sich die Zwerge dem Drachen im Innern des Berges selbst entgegen, während sie im Buch dem Hort fernbleiben, solange er lebt.2



