Name und Bedeutung
„Entisch“ ist ein abgeleiteter Name: Er bezeichnet die Sprache nicht aus sich heraus, sondern über das Volk, das sie spricht. Auch dieser Volksname stammt nicht von den Sprechern selbst. Die Eldar nannten sie Onodrim, in der Einzahl Onod, in der Mehrzahl Enyd; das Wort „Ent“ dagegen gehört der Überlieferung der Menschen an. Im Roten Buch erscheint es in jener Gestalt, die Anhang F für die nördlichen Menschensprachen vorsieht: Sie sind dort durch ältere Stufen des Englischen wiedergegeben, so wie die Gemeinsame Sprache durch das heutige. Was das Wort für sich genommen besagt, ist darum eine Frage an die Menschen der Mark, nicht an die Ents.
Wie die Ents ihre Sprache unter sich nannten, ist nicht überliefert, und der Grund dafür liegt in der Sprache selbst. Baumbart erklärt den beiden Hobbits, dass wirkliche Namen die Geschichte dessen erzählen, dem sie gehören; sein eigener wachse fortwährend, und da er sehr lange gelebt habe, sei er entsprechend lang geworden. Eben deshalb gibt er ihn nicht preis, und er hält es für voreilig, Namen ohne Bedacht auszusprechen. Von seiner Benennung für einen bestimmten Ort lässt er nur ein Stück hören und bricht dann ab; eine Übersetzung wird nicht nachgereicht, weil ein Name im Entischen nicht kürzer ausfällt als die Sache, die er meint. Ein handlicher Eigenname für die Sprache wäre in ihr selbst also ein Widerspruch.
Von außen betrachtet ist die Benennung dagegen einfach. Da selbst die Wissenshüter der Eldar es nicht unternahmen, diese Zunge aufzuzeichnen, hat auch keine elbische Bezeichnung für sie Bestand gewonnen; was bleibt, ist die Ableitung vom Volksnamen, wie sie schon der Anhang benutzt. Der umgekehrte Vorgang ist gut bezeugt: Der Älteste der Ents heißt in der Sprache der Grauelben Fangorn und in der Gemeinsamen Sprache Baumbart — zwei kurze Namen von fremder Hand für jemanden, dessen eigener nicht kurz zu sprechen ist. Der Name der Sprache verhält sich ebenso: Er ist eine Auskunft der Nachbarn über die Ents, nicht der Ents über sich.
Sprecher und Reichweite
Der Kreis der Sprecher war so eng gezogen wie bei keiner anderen Zunge: Entisch gebrauchten die Ents allein untereinander. Anhang F hält fest, dass sie es dabei nicht verbargen — verborgen war es ohnehin, denn kein anderes Volk brachte es fertig, diese Sprache zu erlernen, und damit erübrigte sich jede Geheimhaltung. So fällt eine Unterscheidung fort, die bei anderen Sprachen trägt: Entisch war weder ein Verkehrsmittel zwischen Völkern noch eine Gelehrtensprache mit Schülern und Büchern, sondern die einzige eigene Rede eines kleinen Volkes, die sich außerhalb dieses Volkes nicht weitergeben ließ. Was Fremde davon mitbekamen, blieb Klang: ein langsames Dröhnen und Summen, dem anzuhören war, dass gesprochen wurde, ohne dass sich hätte sagen lassen, was.
Dass sie überhaupt sprachen, rechneten die Ents den Eldar an — allerdings nur den Wunsch nach Rede, nicht deren Ausgestaltung; die Sprache selbst schufen sie sich. Baumbart erzählt die Sache von der anderen Seite: Die Elben hätten den Anfang gemacht, die Bäume geweckt und sie das Sprechen gelehrt, und dabei umgekehrt gelernt, wie Bäume reden. Von dieser frühen Lehrzeit ist nichts weiter überliefert, und aufgeschrieben wurde am Ende nichts. Die einzige gemeinschaftliche Verwendung, die im Roten Buch bezeugt ist, ist die große Versammlung im Wald: Die Ents beraten dort tagelang in ihrer eigenen Sprache, während die beiden Hobbits danebensitzen und kein Wort verstehen — ein Beleg dafür, dass die Sprache nicht bloß Erinnerungsgut war, sondern das Mittel, mit dem dieses Volk seine Angelegenheiten regelte.
Nach außen hin waren die Ents darum keineswegs stumm. Sie waren gewandt in fremden Zungen, lernten rasch und vergaßen das Gelernte nicht wieder; am meisten galt ihnen die Rede der Eldar, und unter deren Sprachen liebten sie das alte Hochelbische am meisten. Mit Merry und Pippin verständigt sich Baumbart daher ohne Weiteres in der Gemeinsamen Sprache, und er greift ebenso selbstverständlich zu elbischen Namen, wenn er von Ländern und Zeiten spricht. Innerhalb des eigenen Umkreises reicht die Verständigung womöglich weiter als bis zu den Ents im engeren Sinne: Von den Huorns wird berichtet, sie hätten noch Stimmen und könnten mit den Ents sprechen — in welcher Zunge, sagt der Bericht nicht. Der Befund bleibt also einseitig. Die Ents traten aus ihrer Sprache heraus, wann immer es nötig war; herein kam niemand.
Geschichte
Der Anfang liegt weit vor jeder Aufzeichnung. Nach der Überlieferung der Eldar gehen die Ents auf den Willen Yavannas zurück, die um die Bäume fürchtete und Fürsprache bei Manwe suchte; die Antwort, die ihr zuteilwurde, sagte Hüter voraus, die zugleich mit den Kindern Ilúvatars erwachen sollten. Die Hirten der Bäume sind demnach so alt wie die Elben selbst, und ihre Zahl war von Beginn an klein. Ihre Sprache jedoch ist jünger als ihre Sprecher: Sie entstand erst, nachdem die Elben in der Frühzeit umherzogen und die Wälder ansprachen — jener Vorgang, den die Ents später als Ursprung ihres Verlangens nach Rede beschrieben, nicht als Herkunft ihrer Worte. Ein Datum trägt dieser Übergang nicht; er fällt in die Zeit vor der Sonne und ist allein durch die Erinnerung der Beteiligten bezeugt.
Im Ersten Zeitalter reichte der Raum, in dem diese Rede erklang, ungleich weiter als später. Baumbart zählt Wälder auf, die längst nicht mehr bestehen — die Weidenwiesen von Tasarinan, die Buchenwälder von Neldoreth, das Kiefernland von Dorthonion, die Ulmen von Ossiriand —, und benennt sie mit elbischen Namen, weil andere nicht überdauert haben. In den Kriegen jener Zeit greifen die Ents nur einmal bezeugt ein: Als das Heer der Zwerge von Nogrod nach der Plünderung Doriaths heimwärts zog und an den Furten geschlagen wurde, stellten sich den Fliehenden in den Wäldern die Hirten der Bäume entgegen, und nur wenige entkamen. Mit dem Untergang von Beleriand am Ende des Zeitalters versanken die meisten dieser Landschaften im Meer. Das Volk blieb, sein Wohngebiet nicht.
Der schwerste Einschnitt fällt in die Dunklen Jahre des Zweiten Zeitalters. Die Entfrauen hatten sich schon zuvor von den Ents getrennt und jenseits des Anduin Gärten angelegt; im Krieg wurden diese Gärten verwüstet und das Land zur Einöde, die später als die Braunen Lande bekannt war. Die Ents suchten ihre Gefährtinnen und fanden sie nicht, und keine Nachricht hat je erklärt, wohin sie gegangen sind. Für die Sprache bedeutete das den Verlust der einen Hälfte aller Sprecher und damit jeder Aussicht auf Nachkommen. Was von dieser Zeit erhalten blieb, ist ein Lied von Ent und Entfrau, das Baumbart den beiden Hobbits vorträgt — er gibt es ihnen in der Gemeinsamen Sprache wieder, denn andernfalls hätten sie nichts davon gehabt.
Im Dritten Zeitalter schrumpfte der Kreis weiter zusammen. Was von den alten Wäldern noch stand, war am Ende der Fangornwald am Fuß der Nebelberge, ein Rest eines Waldgürtels, der einst weit nach Westen und Norden reichte; Bäume wurden gefällt, und viele Ents wurden über die langen Jahre baumhaft, schläfrig und wortkarg, so dass die Zahl derer abnahm, die noch gebraucht wurde. Baumbart selbst beschreibt diesen Zustand ohne Klage, aber deutlich. Dass die Sprache gleichwohl nicht erstarrt war, zeigt das Jahr 3019: Die Ents traten zur Beratung zusammen, verhandelten in ihrer eigenen Rede und entschieden sich zum Zug gegen Isengart, das noch in derselben Zeit fiel. Es ist der einzige Vorgang der Geschichte Mittelerdes, der nachweislich in dieser Sprache beschlossen wurde.
Nach dem Krieg blieb den Ents das Tal um Orthanc, wo sie einen Wachwald wachsen ließen und den Turm im Auge behielten. Beim Abschied sprach Elessar davon, dass in befriedeten Ländern vielleicht auch die Entfrauen wieder aufzufinden seien; Baumbart antwortete, Wälder mögen wachsen und sich ausbreiten, die Ents jedoch nicht, denn es gebe keine jungen ihres Geschlechts mehr. Damit ist die Lage der Sprache am Ende des Dritten Zeitalters umrissen: voll im Gebrauch, von niemandem verdrängt, aber ohne Erben. Anhang F verzeichnet sie unter den Zungen der übrigen Völker als eine, die nie aufgeschrieben und nie weitergegeben wurde. Ein Zeitpunkt ihres Erlöschens ist nirgends überliefert — die Überlieferung bricht ab, bevor sich sagen ließe, ob und wann der letzte Sprecher verstummte.
Klang und Bau
Was über den Klang des Entischen bekannt ist, steht als Urteil da, nicht als Regelwerk. Anhang F beschreibt die Sprache als langsam, volltönend, anhäufend, wiederholend und geradezu weitschweifig und setzt sie damit ausdrücklich von allen übrigen Zungen Mittelerdes ab. Ihr Bau wird an zwei Merkmalen festgemacht: an einer Vielzahl feiner Vokalschattierungen und an Unterschieden von Tonhöhe und Dauer. Eben daran hing auch, dass die Wissenshüter der Eldar auf eine Aufzeichnung verzichteten — keine der überlieferten Schriften war darauf eingerichtet, so viele Abstufungen zu scheiden. Mehr als diese Merkmalsreihe gibt die Überlieferung nicht her: keine Grammatik, keine Wortliste, kein übersetzter Satz.
Wie sich das im Gebrauch auswirkt, sagt Baumbart selbst. Er nennt seine Sprache schön, räumt aber ein, dass es sehr lange dauere, in ihr etwas zu sagen; dafür werde in ihr überhaupt nichts gesagt, was das lange Sagen und das ebenso lange Zuhören nicht wert sei. Das ist keine Entschuldigung für Umständlichkeit, sondern eine Regel des Gebrauchs: Umfang und Gewicht des Gesagten stehen in einem festen Verhältnis. Selbst wenn er die Gemeinsame Sprache gebraucht, scheint dieser Zuschnitt durch — er dehnt Laute, hält zwischen den Sätzen inne und begleitet die Rede mit tiefen, grollenden Tönen. Das einzige Stück Entisch, das das Rote Buch überhaupt festhält, ist ein Bruchstück aus seinem Namen für einen Ort, und es zeigt die genannten Züge im Kleinen: eine verdoppelte Silbenfolge, weit gestreute Vokale, ein Längenzeichen im letzten Glied.
Erkennbar bleibt die entische Bauweise auch dort, wo die Ents fremde Wörter verwenden. Anhang F führt dafür ein hochelbisches Beispiel an: Baumbart fügt mehrere Bestandteile zu einer einzigen, mehrgliedrigen Kette zusammen, die sich nur mit einem ganzen Satz auflösen lässt — von vielfach beschattetem Wald ist darin die Rede, von schwarzem Talgrund, von einem düsteren Land. Nicht die Sprache ist in diesem Fall entisch, wohl aber das Verfahren: zusammenschieben statt aneinanderreihen und das Wort mit dem Gegenstand mitwachsen lassen. Ähnlich verhält es sich mit dem Laut, mit dem er sein Missfallen an den Orks ausdrückt und den der Bericht mit einem Missklang auf einer tiefen Orgel vergleicht. Ob solche Äußerungen als Wörter zu gelten haben oder als bloßer Ausdruck, sagt keine Quelle; was bleibt, ist der Eindruck, den sie bei den Zuhörern hinterließen.
Schrift und Aufzeichnung
Am Ende des Dritten Zeitalters standen den Schreibern des Westens zwei Systeme zur Verfügung, beide elbischen Ursprungs: die Tengwar, für Feder und Pinsel entworfen, und die Certar oder Cirth, die aus geritzten und gemeißelten Inschriften hervorgegangen sind. Beide waren beweglich genug, um weit über ihre Herkunft hinauszureichen. Die Tengwar wurden je nach Bedarf der einzelnen Sprache mit Lautwerten belegt, so dass dieselbe Zeichenreihe für die Gemeinsame Sprache ebenso taugte wie für Sindarin und Quenya; auf dem Einen Ring standen sie sogar im Dienst der Schwarzen Sprache. Die Cirth wanderten ostwärts und wurden von Menschen, Zwergen und selbst von Orks nach eigenem Zuschnitt weiterverwendet; die Zwerge bauten daraus die Angerthas und setzten damit ihr Khuzdul in den Stein von Moria. Vor diesem Hintergrund ist der Befund zum Entischen bemerkenswert: Für eine Zunge, die kein Schriftsystem je erfasst hat, fehlt es nicht an Vorbildern, wohl aber an jedem Versuch.
Ein Urteil über den Rang der Sprache liegt darin nicht. Was eine Aufzeichnung verhinderte, war ihr Bau: Schriften, die Vokale durch Beizeichen über den Konsonanten wiedergeben, kommen mit einer überschaubaren Zahl von Vokalen zurecht, nicht mit einer Fülle feiner Abstufungen, zu denen noch Unterschiede von Tonhöhe und Dauer treten. Hinzu kam, dass auf der anderen Seite kein Bedürfnis bestand: Von Ents, die schrieben, berichtet keine Quelle, und da niemand sonst diese Rede erlernen konnte, fehlte auch die Leserschaft, für die eine Niederschrift einen Zweck gehabt hätte. Schrift diente in Mittelerde der Weitergabe über den Kreis der Anwesenden hinaus — eben diesen Kreis gab es hier nicht. So bleibt als einzige schriftliche Spur jenes Bruchstück, das die Hobbits ins Rote Buch brachten, festgehalten in den Buchstaben anderer Völker und ohne Übertragung. Das Ansehen der Ents bei Elben und Menschen blieb davon unberührt; ungeschrieben blieb ihre Sprache nicht aus Geringschätzung, sondern weil weder Zeichen noch Anlass zu ihr passten.
Im Text
Sicher bezeugt ist genau eine Probe. Sie fällt im vierten Kapitel des dritten Buches, im Gespräch Baumbarts mit Merry und Pippin, und lautet a-lalla-lalla-rumba-kamanda-lind-or-burúmë. Der Zusammenhang ist die Rede über eilfertige Benennungen; Baumbart bricht ab und stellt fest, das Gehörte sei nur ein Teil dessen, wie er den Ort für sich nenne. Eine Übertragung reicht der Bericht nicht nach, und keine spätere Stelle kommt darauf zurück. Daneben steht eine zweite, kürzere Form: burárum, mit der er die Orks bedenkt und die von einem tiefen Grollen begleitet wird. Ob sie als Wort der eigenen Sprache zu gelten hat oder als bloßer Ausdruck des Unwillens, sagt die Quelle nicht; als entisch ausgewiesen wird sie nirgends.
Alles Übrige, was im Mund der Ents fremd klingt, ist elbisch. Anhang F sagt das ausdrücklich: Die seltsamen Wörter und Namen, welche die Hobbits von Baumbart und anderen Ents aufzeichneten, seien elbisch oder aus Bruchstücken elbischer Rede nach entischer Art aneinandergefügt; als Beispiele nennt er neben einer langen Quenya-Fügung die Sindarin-Namen Fangorn und Fimbrethil. Im Kapitel selbst lässt sich das nachprüfen. Für Lórien gebraucht Baumbart eine ausgedehnte Quenya-Benennung, deren Kern Laurelindórenan ist, und tadelt im selben Atemzug, dass die Elben daraus die kürzere Form Lothlórien gemacht hätten. Auch der Beiname jenes Ents, der die beiden Hobbits während der Versammlung begleitet — Bregalad —, wird ihnen erst in der Gemeinsamen Sprache verständlich gemacht. Wer im Roten Buch nach entischen Wörtern sucht, findet also überwiegend elbische in entischem Zuschnitt.
Wo die Sprache wirklich gesprochen wird, verzichtet der Bericht auf jeden Wortlaut. Von den Beratungen im Wald hören die Hobbits nur Steigen und Fallen eines langen Wechselgesangs, und als der Beschluss fällt, wird die Erregung an der Lautstärke kenntlich, nicht an einem einzigen mitgeteilten Wort. Der Zug nach Isengart wird von einem Gesang begleitet, den das Rote Buch in der Gemeinsamen Sprache wiedergibt; unübersetzt bleiben allein die trommelartigen Silben des Kehrreims, die als entisch nirgends bezeichnet werden. Ähnlich verhält es sich beim letzten Auftritt: Als Baumbart vor Isengart Galadriel und Celeborn wiedersieht, grüßt er sie auf Quenya. Wo die Ents also wörtlich zu Wort kommen, geschieht es stets in einer geliehenen Zunge — die eigene erscheint im Text nur als Geräusch und in jenem einen Bruchstück.
Die Werkstatt dahinter
Die Ents gehören zu den späten Zugängen des Buches. Tolkien hat selbst berichtet, dass ihm beim Schreiben Dinge begegneten, mit denen er nicht gerechnet hatte, und dass der Wald am Fuß der Berge zu diesen unvorhergesehenen Abenteuern zählte — während der Stoff der Älteren Tage längst ausgearbeitet vorlag. Den Anstoß führte er auf eine alte Verärgerung zurück: Bei Shakespeare erweist sich der wandernde Wald als bloße Tarnung mit abgeschlagenen Zweigen, und dieser Kunstgriff hatte ihn schon in der Schulzeit enttäuscht; er wünschte sich einen Zusammenhang, in dem Bäume wirklich in den Krieg ziehen. Vom Erfinden sprach er in diesem Fall ungern und beschrieb seine Arbeit lieber als Warten darauf, zu erkennen, was geschehen sei. Für die Sprache hat das Folgen. Bei seinen elbischen Zungen ging der Bau der Erzählung voraus, und die Vorbilder benannte er offen: Finnisch und Griechisch auf lateinischer Grundlage für die ältere, ein bewusst walisischer Zuschnitt für die jüngere. Für das Entische nennt er kein Vorbild. Es ist nicht als Sprachsystem entworfen und nachträglich mit Sprechern versehen worden, sondern umgekehrt aus dem Wesen seiner Sprecher heraus beschrieben.
Entsprechend eigentümlich ist der Befund im gedruckten Werk: Das Entische ist die einzige Zunge des Buches, für die kein Wortvorrat ausgearbeitet wurde, sondern eine Wirkung. An die Stelle von Formenlehre und Wortliste tritt eine Reihe von Eigenschaften, und die Begründung, dass keine Schrift diesen Eigenschaften gewachsen war, erklärt zugleich, warum es nichts vorzuzeigen gibt — eine Lösung, die den Verzicht zur Aussage über die Sprache macht. Auch die einzige Probe führt eher den Grundsatz vor, als dass sie Vokabeln lieferte. Das philologische Material liegt darum nicht in der Sprache, sondern an ihrem Rand. Das Wort, das im Roten Buch das Volk bezeichnet, gehört der altenglischen Dichtung an, wo es die Riesen der Vorzeit meint, denen man die verfallenen Steinbauten des Landes zuschrieb; die Übersetzungsregel des Anhangs, nach der die nördlichen Menschensprachen durch ältere Stufen des Englischen wiedergegeben sind, macht solche Anleihen erst möglich. Dasselbe Verfahren steht hinter dem Namen des Turms, der laut Anhang in der Sprache der Mark ein kunstvoll gefügtes Werk bezeichnet und im Sindarin einen Berg mit Zahn. Die Werkstatt arbeitet hier also nicht am Entischen selbst, sondern an den Namen, die andere den Ents und ihren Nachbarn gaben.