Namen und Herkunft
Der Name „Ent“ ist kein Wort, das sich das Volk selbst gegeben hat, sondern eine überlieferte Bezeichnung, die vor allem die Rohirrim und andere Menschen für sie verwenden; sinngemäß bedeutet er so viel wie „Riese“. Nach den Aufzeichnungen der Hobbits ist das Wort sehr alt und war bei den Menschen schon lange in Gebrauch, ehe sie den Ents überhaupt begegneten – ursprünglich bezeichnete es riesenhafte Gestalten aus alten Sagen, ehe es zur festen Benennung dieses einen Volkes wurde. Die Elben kennen die Ents unter dem sindarischen Namen „Onod“, in der Mehrzahl „Onodrim“ oder „Enyd“. Wie sich die Ents selbst nennen, bleibt Außenstehenden weitgehend verschlossen: Baumbart erklärt Meriadoc und Peregrin, ein wirklicher Name in der Sprache seines Volkes erzähle zugleich die ganze Geschichte dessen, was er bezeichnet, weshalb solche Namen kaum in wenigen Worten wiederzugeben seien. Aus dieser Eigenheit erklärt sich auch die Zurückhaltung, mit der die Ents überhaupt über Namen sprechen, die eigenen eingeschlossen.
Über die Herkunft der Ents berichtet eine ältere, mythische Überlieferung aus der Frühzeit der Welt: Yavanna, eine der Valar, der alles Wachsende am Herzen liegt, sorgt sich, die Bäume könnten in kommenden Zeitaltern den Erwachten Völkern schutzlos ausgeliefert sein, und trägt diese Sorge dem Vala Manwe vor. Aus dieser Fürsprache geht die Zusage hervor, dass Hirten für die Bäume erweckt werden sollen, die in den Wäldern wandeln und über sie wachen sollen. In dieser Überlieferung sind die Ents also kein zufällig entstandenes Volk, sondern eine gezielt ins Leben gerufene Ordnung von Wächtern, deren Auftrag älter ist als ihr Erscheinen in den Wäldern Mittelerdes. Der Beiname „Baumhirten“, unter dem sie auch bekannt sind, geht unmittelbar auf diese Rolle zurück.
Geschichte
Nach Baumbarts eigener Erinnerung erwachten die Ents in einer sehr frühen Zeit der Welt, noch ehe die Schatten des Dunklen Herrschers über das Land fielen, und ihr Erwachen fällt in dieselbe ferne Epoche wie das der Elben. Von den Elben, denen sie zuerst begegneten, lernten die zunächst stummen Baumhirten das Sprechen, und mit der Sprache erhielten sie auch die Namen, unter denen andere Völker sie seither kennen. Aus dieser frühen Nähe zu den Elben erklärt sich, dass die Ents Sindarin verstehen und in ihrer eigenen, unendlich langsamen Sprache elbische Wurzeln bewahren.
In den ältesten Zeitaltern, so berichtet Baumbart den Hobbits, zogen sich die Wälder Mittelerdes ungebrochen über gewaltige Landstriche, und die Ents wanderten frei durch ein zusammenhängendes Waldland, das seither durch Kriege, Rodungen und den wachsenden Einfluss der Menschen immer weiter zurückgedrängt wurde. Mit dem Schwinden der Wälder schwand auch der Lebensraum der Ents selbst, und schon lange vor dem Dritten Zeitalter zogen sich die meisten von ihnen in wenige verbliebene Rückzugsgebiete zurück, allen voran den Wald, der später ihren Namen trägt.
Eine folgenschwere Zäsur in der Geschichte des Volkes bildet die Trennung von den Entfrauen. Während die Ents selbst den wilden, hochgewachsenen Wäldern verbunden blieben, wandten sich die Entfrauen offeneren Landstrichen zu, legten dort Gärten an und brachten den Menschen der frühen Zeitalter Ackerbau und Pflanzenkunde bei. Als die Kriege gegen Sauron auch jene Gegenden östlich des Anduin verheerten, in denen die Gärten der Entfrauen lagen, gingen diese Gärten unter, und mit ihnen verlor sich die Spur der Entfrauen selbst; alle späteren Nachforschungen der Ents, auch die Baumbarts, blieben ohne Ergebnis.
Ohne die Entfrauen blieb dem Volk der Ents keine Nachkommenschaft mehr, und über die Jahrhunderte des Dritten Zeitalters hinweg nahm ihre Zahl stetig ab. Viele von ihnen versanken zunehmend in baumhafter Schwere und Schweigsamkeit, verloren gleichsam den wacheren, hirtenhaften Teil ihres Wesens und wurden von bloßen Bäumen kaum mehr zu unterscheiden. Für die Rohirrim und andere Menschen jener Zeit gerieten die Ents so zu einer halb vergessenen Sage, deren Wahrheit man in Rohan meist bezweifelte, während sich die verbliebenen wachen Ents immer stiller in ihren Wald zurückzogen.
Diese jahrhundertelange Zurückgezogenheit endete erst, als Saruman im Vorfeld des Ringkrieges begann, die Randgebiete des Waldes für die Schmieden Isengarts zu roden und die gefällten Bäume rücksichtslos zu verbrennen. Dieser Angriff auf das ihnen anvertraute Gut traf die Ents tief und fiel zusammen mit der Ankunft Meriadocs und Peregrins, die den Verfolgern der Uruk-hai entkommen in den Wald geflohen waren. Baumbart berief daraufhin ein Entthing, die langwierige Versammlung der Ents, auf der über das weitere Vorgehen beraten wurde, und an deren Ende der Beschluss stand, gegen Isengart zu ziehen.
Der folgende Marsch, von den Ents selbst als der letzte ihrer Art betrachtet, führte sie zusammen mit den ihnen verbündeten Huorns gegen Isengart, dessen Ringmauer sie durchbrachen und dessen Grube sie durch die Ableitung des Flusses Isen unter Wasser setzten; Saruman blieb, seiner Macht beraubt, als Gefangener im Turm Orthanc zurück. Nach dem Sturz Isengarts hielt Baumbart die Wacht über den besiegten Zauberer, bis dieser später freien Abzug erhielt, während die Ents selbst in den folgenden Jahren einen Teil des verwüsteten Isengart in einen Garten verwandelten. Die Suche nach den Entfrauen setzten sie gleichwohl fort, ohne Erfolg, und so blieb die Zukunft dieses ohnehin schon schwindenden Volkes am Ende des Dritten Zeitalters ungewiss.
Wesen und Lebensweise
In ihrer äußeren Erscheinung ähneln die Ents den Bäumen, deren Hüter sie sind: mächtige, knorrige Gestalten mit rindenartiger Haut, deren Wuchsform sich danach richtet, welcher Baumart sich der einzelne Ent am meisten verwandt fühlt. Ihre Stimmen klingen tief und voll, eher gesummt oder gesungen als gesprochen, und ihr ganzes Wesen ist von einer Bedächtigkeit geprägt, die sich am unmittelbarsten in ihrer Sprechweise zeigt: Meriadoc und Peregrin erleben bei ihrer ersten Begegnung mit Baumbart, dass sich ein einzelner Satz über lange Atemzüge hinziehen kann, während der Ent jedes Wort sorgfältig erwägt, ehe er es ausspricht. Diese Langsamkeit ist kein Mangel, sondern Ausdruck eines Zeitgefühls, das sich grundlegend von dem der kurzlebigen Völker unterscheidet: Ents handeln erst, nachdem sie eine Sache von allen Seiten bedacht haben, und begegnen jeder Übereilung mit tiefem Misstrauen.
Neben den Sprachen, die sie sich im Lauf der Zeitalter von anderen Völkern angeeignet haben und die sie im Umgang mit Fremden mit bemerkenswerter Gewandtheit gebrauchen, besitzen die Ents eine eigene Sprache, die keinem anderen Volk zugänglich ist. Sie gilt als eine der kompliziertesten und langsamsten Sprachen Mittelerdes, reich an feinen Klangabstufungen, die ein ungeübtes Ohr kaum zu unterscheiden vermag, und wird von den Ents fast ausschließlich untereinander gebraucht, kaum je im Beisein Fremder. Dass ihnen so viele andere Zungen geläufig sind, während kein Außenstehender je Entisch erlernt hat, unterstreicht, wie sehr die Ents ihre eigene Sprache als etwas Geschütztes betrachten, das nicht zum beiläufigen Gebrauch bestimmt ist.
Wichtige Entscheidungen fällt das Volk der Ents in einem Entthing genannten Rat, dessen Beratungen sich, ihrer Bedächtigkeit entsprechend, über Tage hinziehen können, ehe ein gemeinsamer Beschluss steht. Zu ihren Gepflogenheiten gehört auch das Teilen des Ent-Trunks, eines nährenden Wassers aus ihren eigenen Quellen, das Baumbart den Hobbits reicht und das bei ihnen ein spürbares, fast baumhaftes Wachstum auslöst. Von den Ents unterschieden, doch mit ihnen verwandt, sind die Huorns: wilde, halb erwachte Bäume, die unter dem Einfluss der Ents zu Bewegung und Zorn gebracht werden können, ohne selbst zu voller Sprache und Besonnenheit zu gelangen, und die als bedrohliche, kaum berechenbare Macht gelten. In Kraft und Widerstandsfähigkeit übertreffen die Ents die meisten Geschöpfe Mittelerdes bei weitem, fürchten aber, ihrer hölzernen Natur wegen, das Feuer mehr als jede Waffe. Handwerk im Sinne der Zwerge oder Elben, das Bauen und Verfertigen von Dingen, ist ihnen fremd; ihr eigentliches Werk besteht im Hüten, Bewahren und Wachsenlassen, nicht im Herstellen.
Stämme und einzelne Ents
Eine Gliederung in eigentliche Stämme oder Häuser kennen die Ents nicht; wohl aber unterscheidet die Überlieferung einzelne von ihnen namentlich, allen voran Baumbart selbst, der von den anderen Ents beim Entthing als der Älteste ihres Volkes anerkannt wird und dessen Name, Fangorn, zugleich dem Wald gegeben ist, in dem er haust. An seiner Seite treten beim Entthing zwei weitere sehr alte Ents hervor, Blattlocke und Rindenhaut, deren Sindarin-Namen Finglas und Fladrif lauten. Beide gelten neben Baumbart als die ältesten noch wachen Ents überhaupt, doch sind sie ihrem Wesen nach schon weiter in baumhafte Schwere versunken als er und nur noch schwer aus ihrer Ruhe zu bewegen.
Deutlich abgesetzt von dieser bedächtigen Art ist Flinkbaum, dessen Sindarin-Name Bregalad lautet und der unter den Ents als ungewöhnlich rasch in seinen Entschlüssen gilt. Diese Hast, an Ent-Maßstäben gemessen, erklärt Baumbart aus seiner engen Verwandtschaft zu den Vogelbeerbäumen, die in der Nähe seiner eigenen Heimstatt wuchsen. Als Sarumans Orks gerade diese Bäume fällen, ist es Flinkbaum, der sich dem Feldzug gegen Isengart als Erster anschließt, noch ehe das Entthing seinen Beschluss gefasst hat, und der Meriadoc und Peregrin auf dem Marsch begleitet.
Rindenhaut wiederum trägt eine eigene, bittere Geschichte: Orks haben in seiner Nähe Bäume gefällt und ihre Wurzeln verbrannt, und aus Zorn und Trauer über diesen Verlust hat er sich seither in die Hänge des Gebirges zurückgezogen und mag nicht mehr zu den anderen Ents hinabsteigen. Sein Schicksal steht bei Baumbart als eines der Beispiele dafür, wie unmittelbar Sarumans Vorgehen einzelne Ents getroffen hat, und trägt mit dazu bei, dass sich das Entthing schließlich zum Marsch auf Isengart entschließt.
In der Erzählung
Innerhalb der Handlung fungieren die Ents zunächst als lebendige Illustration einer Gefahr, die der Ringkrieg mit sich bringt: dass alte, gutartige Mächte, die sich seit Zeitaltern aus den Angelegenheiten der anderen Völker herausgehalten haben, gezwungen werden, für eine Seite Partei zu ergreifen. Als Meriadoc und Peregrin auf ihrer Flucht in den Fangorn-Wald geraten, treffen sie auf ein Volk, das dem hastigen, kurzsichtigen Handeln der „schnellen Völker“ zutiefst misstraut und das gerade diese Bedächtigkeit als Überlebensstrategie über unzählige Zeitalter hinweg bewährt hat. Die Erzählung nutzt die Begegnung, um dem Leser einen radikal anderen Zeitmaßstab vor Augen zu führen, an dem die fieberhafte Eile der Ringgefährten gemessen wird.
Zugleich stehen die Ents für einen Zorn, der erst spät, dafür aber mit voller Wucht erwacht: Sarumans Übergriff auf den Wald bringt ausgerechnet jene Figur zu Fall, die sich zu Beginn der Geschichte als überlegener Stratege und Herr der Maschinen inszeniert hatte, und zwar durch eine Macht, die er selbst nicht in seine Berechnungen einbezogen hatte, weil er sie für bedeutungslos hielt. Damit liefert der Sturm auf Isengart der Erzählung eines ihrer zentralen Motive: dass Gier und Zerstörungswille am eigenen blinden Fleck scheitern und dass gerade die Ältesten und scheinbar Zurückgebliebensten der Welt am Ende den Ausschlag geben können.
Über die reine Handlung hinaus tragen die Ents eine elegische Note in das Werk: Ihr allmähliches Verschwinden, ihre vergebliche Suche und die Traurigkeit, mit der Baumbart von einem möglichen Ende seines Volkes spricht, spiegeln ein Grundthema des Buches wider, das auch bei den Elben und ihrem Abschied von Mittelerde wiederkehrt – den unaufhaltsamen Verlust des Alten angesichts einer heraufziehenden, von Menschen geprägten Zeit. Die Ents erscheinen so nicht nur als Kämpfer gegen Saruman, sondern als Sinnbild dafür, dass auch ein Sieg im Ringkrieg das langsame Schwinden mancher Dinge nicht mehr aufzuhalten vermag.
Entwürfe und Entwicklung
In den Vorarbeiten zum dritten Buch, wie sie in den gesammelten Entwurfsfassungen überliefert sind, ist die Gestalt Baumbarts zunächst keineswegs so eindeutig auf der Seite der Ringgefährten verortet, wie es die veröffentlichte Fassung nahelegt. Aus den frühen Notizen und Textstufen geht hervor, dass beim Schreiben der ersten Fassung der Begegnung im Fangorn-Wald noch offenblieb, ob die riesenhafte Gestalt, der die beiden Hobbits dort begegnen, ihnen wohlgesinnt sein oder sich als Gefahr erweisen würde. Erst im Zuge mehrfacher Überarbeitung festigte sich das Bild eines uralten, den Bäumen verpflichteten Hüters, der sich entschieden gegen Saruman stellt; in den verworfenen Zwischenstufen bleibt der Ausgang der ersten Begegnung dagegen deutlich unbestimmter.
Auch die Ausweitung von der einzelnen Figur Baumbarts zu einem ganzen, aus vielen Einzelwesen bestehenden Volk mit eigenen Gepflogenheiten wie dem Entthing vollzog sich erst im Verlauf der weiteren Entwurfsarbeit. Namentlich genannte Ents neben Baumbart selbst treten erst in späteren Textstufen hinzu, und auch die Geschichte der Entfrauen, die in der veröffentlichten Fassung so großes Gewicht erhält, fehlt den frühesten Ansätzen der Isengart-Handlung noch vollständig; sie wurde erst nachträglich in die Erzählung von Baumbarts Begegnung mit den Hobbits eingefügt.
In Verfilmungen und Hörspielen
In der Hörspielfassung, die die BBC 1981 in sechsundzwanzig halbstündigen Folgen sendete, spricht Stephen Thorne den Baumbart. Diese Bearbeitung gilt als die vorlagentreueste der älteren Fassungen, und entsprechend bleibt der Handlungsbogen des Volkes weitgehend erhalten: die Begegnung der beiden Hobbits mit dem alten Ent, die Beratung des Entthings und der daraus hervorgehende Entschluss, gegen Isengart zu ziehen. Dem rein akustischen Medium kommt dabei entgegen, dass sich das Wesen der Ents ohnehin stärker über Stimme, Tempo und Klangfarbe als über die äußere Gestalt mitteilt; die gedehnte, tiefe Sprechweise lässt sich hier ohne die Umwege durchhalten, die eine bildliche Umsetzung erfordert.
In Peter Jacksons Filmtrilogie von 2001 bis 2003 leiht John Rhys-Davies, der zugleich den Gimli verkörpert, dem Baumbart die Stimme. Die auffälligste Abweichung vom Roman betrifft den Entschluss zum Krieg: Während das Entthing im Buch nach langer Beratung selbst den Marsch auf Isengart beschließt, endet die Versammlung im Film mit der Entscheidung, sich herauszuhalten; erst als Meriadoc und Peregrin den Ent dazu bewegen, sie nach Süden an den Waldrand zu tragen, wo er die Verwüstung durch Sarumans Rodungen unmittelbar vor Augen hat, schlägt seine Haltung um. Der Zorn der Ents wird damit von einer gemeinschaftlich gefassten Entscheidung zu einem spontanen Umschwung, den die Hobbits herbeiführen. Auch die Huorns entfallen als eigenständige, benannte Macht: Der Wald, der bei Helms Klamm über die fliehenden Feinde hereinbricht, erscheint ohne die im Buch gegebene Erklärung seiner Herkunft. Die erweiterten Fassungen ergänzen unter anderem den Ent-Trunk und dessen Wirkung auf die beiden Hobbits sowie eine Szene am Orthanc, in der Baumbart bei der Abrechnung mit dem gestürzten Zauberer zugegen ist – dessen Ende dort anders und früher eintritt als im Roman, da die Trilogie auf die abschließende Rückkehr Sarumans ins Auenland verzichtet.