Atani — Von den Eldar als förmlichster Name gebraucht, weil die Menschen nach den Elben als spätere Kinder Ilúvatars erschienen. (K2, Fundstelle: Das Silmarillion, Quenta Silmarillion, Kap. 17, Of the Coming of Men into the West)Hildor — Von den Elben vergeben, da die Menschen erst erwachten, als die Elben die Welt schon bewohnten. (K2, Fundstelle: Das Silmarillion, Quenta Silmarillion, Kap. 17, Of the Coming of Men into the West)Engwar — Weniger schmeichelhafter Elbenname, weil Krankheit, Alter und Ermüdung neben unsterblicher Ausdauer hinfällig wirkten. (K2, Fundstelle: Das Silmarillion, Quenta Silmarillion, Kap. 17, Of the Coming of Men into the West)Sterbliche — Elbischer Beiname, der die kurze Lebensdauer und Gebrechlichkeit betonte, welche die Elben an den Neuankömmlingen wahrnahmen. (K2, Fundstelle: Das Silmarillion, Quenta Silmarillion, Kap. 17, Of the Coming of Men into the West)Große Leute
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Die Menschen, auch Atani oder die Zweitgeborenen genannt, sind eines der freien Völker Mittelerdes und erwachten weit im Osten des Kontinents beim ersten Aufgang der Sonne. Anders als die unsterblichen Elben sind Menschen sterblich, und was nach dem Tod aus ihnen wird, bleibt selbst den Valar verborgen – ein Schicksal, das die Elben die Gabe der Menschen nannten. Viele Völker der Menschen treten im Legendarium auf, von den Edain, die im Ersten Zeitalter an der Seite der Elben kämpften, bis zu den Númenórern, Rohirrim und Gondorern späterer Zeitalter.
Die Elben, die den Menschen als Erste begegneten, gaben ihnen mehrere Namen, die weniger eine Selbstbezeichnung als eine elbische Deutung ihres Wesens widerspiegeln. Als Atani, das „zweite Volk“, wurden sie benannt, weil sie nach den Erstgeborenen erwachten; als Hildor, die „Folgenden“ oder „Nachkommenden“, trug dieselbe Nachrangigkeit noch deutlicher den Namen. Daneben stand die Bezeichnung Engwar, die „Siechen“ oder „Kränklichen“ – ein Ausdruck dafür, wie hinfällig den Elben die menschliche Anfälligkeit für Krankheit, Erschöpfung und Alter erschien, gemessen an der eigenen unsterblichen Ausdauer. Eine einheitliche Selbstbezeichnung, die für alle Menschen aus jener frühen Zeit gegolten hätte, ist nicht überliefert; erst einzelne Völker der Menschen gaben sich später eigene Namen.
Der Ursprung der Menschen liegt fern im Osten Mittelerdes, in einem Land, das die Überlieferung Hildórien nennt, und ist eng mit dem ersten Aufgehen der Sonne verknüpft, mit dem sie erwachten – anders als die Elben, die Zeitalter zuvor noch unter dem bloßen Sternenlicht erwacht waren. Weil dieses Erwachen weit ab von den Wohnstätten der Eldar geschah und kein elbischer Zeuge zugegen war, blieb die früheste Geschichte der Menschen selbst den Weisen der Valar und Eldar größtenteils verschlossen und ist nur in verstreuten, unsicheren Überlieferungen bewahrt.
Die Bezeichnung als Zweitgeborene oder Jüngere Kinder Ilúvatars reicht in ihrem Ursprung weiter zurück als die spätere Begegnung mit den Elben: Schon in der Ainulindale, dem Bericht von der Erschaffung der Welt durch Musik, kündigt Ilúvatar den Ainur ein zweites Volk an, das nach den Erstgeborenen in die Welt treten und ein eigenes, den Elben unbekanntes Los erhalten sollte. Die Nachordnung der Menschen gegenüber den Elben war damit nicht bloß eine Frage der zeitlichen Abfolge ihres Erwachens, sondern von Ilúvatar selbst schon vor der Erschaffung Arda festgelegt.
Geschichte
Wie sich die Menschen von ihrem Erwachen im Osten aus über Mittelerde ausbreiteten, lässt sich nur bruchstückhaft rekonstruieren. Ein Teil der frühen Stämme geriet schon in dieser Zeit unter den Schatten Morgoths, der aus Angband Boten und Lügen aussandte, um sie sich untertan zu machen; aus solchen Stämmen gingen später Völker hervor, die sich in den Kriegen der folgenden Zeitalter wiederholt auf die Seite der dunklen Mächte stellten. Andere Sippen zogen, davon unberührt, über viele Menschenalter hinweg westwärts. Drei dieser wandernden Völker – später als die Drei Häuser der Edain bekannt, angeführt von Beor, Hador und Haleth – überquerten schließlich die Blauen Berge und traten aus dem Osten in das Land Beleriand ein, wo sie auf die Noldor und Sindar trafen.
In Beleriand schlossen sich die Edain den Elbenreichen an und traten in deren Kriege gegen Morgoth ein; ihre Krieger kämpften in mehreren der großen Schlachten, am verheerendsten in der Nirnaeth Arnoediad, in der das Haus Hadors beinahe ausgelöscht wurde. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten Verbindungen zwischen Menschen und Elben, deren Nachkommen später zu den Herrschergeschlechtern von Númenor und Gondor zählen sollten. Nach dem Krieg des Zorns, der Morgoths endgültigen Sturz besiegelte, versank Beleriand größtenteils im Meer; den überlebenden Edain aber wurde von den Valar zum Dank eine eigene Insel westlich von Mittelerde gewährt.
Auf dieser Insel, Númenor, erwuchs den Edain über anderthalb Jahrtausende ein Reich von großer Macht und Gelehrsamkeit, dessen Könige zeitweise auch Teile der Küsten Mittelerdes beherrschten. Mit wachsendem Wohlstand aber wuchs auch die Furcht vor dem Tod, die schließlich in Neid auf die Unsterblichkeit der Elben umschlug; als Sauron nach seiner Gefangennahme die Gunst des Königs Ar-Pharazôn gewann, nutzte er diesen Groll, um die Númenórer zum Bruch des Verbots der Valar zu verleiten. Der Versuch, mit einer Flotte das Land der Unsterblichen im äußersten Westen zu erobern, endete mit der Versenkung Númenors und einer Umgestaltung der Welt.
Elendil und seine Söhne Isildur und Anárion, die der Zerstörung Númenors mit einigen Getreuen entkamen, gründeten an den Küsten Mittelerdes die Reiche Arnor im Norden und Gondor im Süden und begannen damit die Herrschaft der Dúnedain im Exil. Gemeinsam mit dem Letzten Bündnis der Elben und Menschen unter Gil-galad und Elendil wurde Sauron am Ende des Zweiten Zeitalters gestürzt, wenn auch nicht endgültig vernichtet, und Isildur nahm ihm den Einen Ring.
Im Dritten Zeitalter zerfiel Arnor infolge von Erbstreitigkeiten in die kleineren Reiche Arthedain, Rhudaur und Cardolan und wurde vom Hexenkönig von Angmar über Jahrhunderte zermürbt, bis es gänzlich unterging. Gondor dagegen behauptete sich, geschwächt durch Seuchen, innere Fehden und die Angriffe aus Mordor und Harad, unter der Herrschaft der Truchsesse fort, nachdem die Linie seiner Könige erloschen war. Als Bündnis gegen die Bedrohung aus dem Norden schenkte Gondor dem Reitervolk der Éothéod das Land Calenardhon, das fortan als Rohan bekannt war; seine Reiter, die Rohirrim, erwiesen sich als treue Verbündete Gondors, zuletzt im Ringkrieg vor den Toren von Minas Tirith.
Mit dem Sturz Saurons am Ende des Dritten Zeitalters und dem darauffolgenden Abschied vieler Elben aus Mittelerde ging die Vorherrschaft über das Land endgültig auf die Menschen über. Unter Aragorn, dem Erben Elendils, wurden Gondor und Arnor wiedervereint, und das folgende Vierte Zeitalter gilt in der Überlieferung selbst als das Zeitalter der Menschen.
Wesen, Sitten und Werke
Was die Menschen im Innersten von den Elben unterscheidet, ist ihr Verhältnis zu Tod und Zeit. Während die Fëar der Elben, wie sehr ihre Leiber auch vergehen mögen, für immer an Arda gebunden bleiben, verlassen die Geister der Menschen die Welt nach dem Tod gänzlich, und wohin sie gehen, ist selbst den Valar unbekannt. Die Elben nannten dies die Gabe Ilúvatars, weil sie darin eine Freiheit erkannten, die ihnen selbst versagt blieb: Menschen sind an das Schicksal der Welt nicht gebunden und formen ihr eigenes Los jenseits der vorherbestimmten Musik. Für die Menschen selbst erschien dieselbe Gabe jedoch oft eher als Fluch denn als Geschenk, und die Furcht vor dem Tod und dem Ungewissen danach wurde zu einer Grundspannung ihres Wesens, die sich durch ihre ganze Geschichte zieht.
Anders als die Elben, die trotz ihrer Aufspaltung in mehrere Völker eng verwandte Sprachen sprachen und Erinnerung über Zeitalter hinweg bewahrten, zerfielen die Menschen von Beginn an in zahlreiche Stämme mit eigenen Sprachen, Sitten und Bräuchen, die eigenständig entstanden und sich rasch wandelten. Als die Häuser der Edain in Beleriand mit den Noldor und Sindar in Berührung kamen, empfingen sie von ihnen wesentliche Kenntnisse in Schmiedekunst, Ackerbau, Schrift und Baukunst, wodurch sich ihre Lebensweise binnen weniger Menschenalter erheblich wandelte – ein Tempo der Veränderung, das den langlebigen, in ihren Gewohnheiten beständigen Elben fremd blieb.
Auch die Lebensspanne der Menschen blieb, anders als bei den Elben, von Volk zu Volk und Zeitalter zu Zeitalter verschieden: Den Edain und späteren Númenórern war ein Leben von mehrfacher gewöhnlicher Länge zugemessen, das jedoch mit den Zeitaltern und zumal nach dem Untergang Númenors wieder schwand, sodass die Menschen Mittelerdes am Ende des Dritten Zeitalters wieder auf die ihnen ursprünglich bestimmten Jahre beschränkt waren. Mit dieser Kürze und Wandelbarkeit ging eine Rastlosigkeit einher, die man als eigentümlich menschlich empfand: ein Drang, über das Bekannte hinauszusuchen, zu bauen, zu erwerben und zu hinterlassen, was länger währte als das eigene, flüchtige Leben.
Stämme, Häuser und Sippen
Innerhalb der Edain unterschied die Überlieferung ausdrücklich drei Häuser, die sich in Auftreten, Wesen und Bündnissen deutlich voneinander abhoben. Das Volk Beors, dunkelhaarig und von eher schmächtiger Gestalt, war das erste, das mit den Noldor in Berührung kam, und schloss sich in Dorthonion vor allem Finrod Felagund an. Die Haladin, das kleinste und zurückhaltendste der drei Häuser, zogen gesondert von den beiden anderen und wurden während ihres Zuges durch die Schrecken von Nan Dungortheb von Haleth angeführt, einer Frau, die als Häuptlingin ihres Volkes in die Überlieferung einging und ihm nach ihrem Tod den Wald von Brethil als Wohnsitz hinterließ. Das Haus Hadors schließlich, hellhaarig, hochgewachsen und als das zahlreichste und kriegerischste der drei Häuser bekannt, siedelte in Hithlum und stand in besonders enger Verbindung zum Haus Fingolfins.
In späteren Zeitaltern galten mehrere Völker im Norden Mittelerdes als Verwandte des Hauses Hadors, ohne selbst zu den Dúnedain zu zählen, da ihre Vorfahren Beleriand nie erreicht hatten. Zu ihnen rechnete man die Éothéod, aus denen später die Rohirrim hervorgingen, ebenso wie die Menschen von Thal und Esgaroth am Langen See und die Beorninger im Tal des Anduin – Völker verwandter Sprache und ähnlicher Sitte, die man im Unterschied zu den aus Númenor zurückgekehrten Dúnedain gelegentlich als die „geringeren Menschen“ bezeichnete.
Ausdrücklich abgesetzt von diesen verwandten Stämmen wurden Völker, mit denen die Dúnedain und ihre Verbündeten in Feindschaft oder bloßer Fremdheit lebten. Die Dunländer im Westen jenseits der Nebelnebelberge, Nachkommen alter, aus Rohan und Enedwaith verdrängter Stämme, standen den Rohirrim seit Generationen feindlich gegenüber, während im Süden die Haradrim und im Osten verschiedene Stämme der Ostlinge zeitweise in den Diensten Saurons kämpften. Als ein Volk ganz eigener Art, weder mit den Dúnedain noch mit den umliegenden Stämmen verwandt, traten schließlich die Drúedain hervor, ein kleines, uraltes Volk verborgener Lebensweise, das in geringer Zahl in den Wäldern von Anórien überdauert hatte.
In der Erzählung
Innerhalb der Erzählstruktur des Legendariums fungieren die Menschen als das Volk, dessen Blick sich schrittweise an die Stelle des elbischen setzt. Die Silmarillion-Überlieferung ist überwiegend aus elbischer Erinnerung geschöpft und behandelt die Menschen zunächst als Randfiguren, die spät hinzutreten und rasch wieder aus dem Blickfeld verschwinden; erst mit den Häusern der Edain rücken einzelne menschliche Gestalten wie Beren, Túrin oder Tuor in den Vordergrund und werden zu Trägern eigener, in sich abgeschlossener Geschichten. Diese Verschiebung nimmt vorweg, was sich über die Zeitalter hinweg fortsetzt: Mit jedem Zeitalter wächst der Anteil der Menschen am Geschehen, während die Elben sich allmählich zurückziehen, sodass die Erzählung insgesamt eine Übergabe der Bühne von den Erstgeborenen an die Zweitgeborenen nachzeichnet.
Im Herrn der Ringe, dessen erzählte Gegenwart bereits im Dritten Zeitalter liegt, sind es vor allem einzelne Menschen, an denen sich die großen Themen des Werks entscheiden. Boromir steht für die Anfechtbarkeit auch tapferer Männer durch die Versuchung der Macht, Denethor für das Zerbrechen von Verantwortung an Verzweiflung und Stolz, während Aragorn die gegenteilige Bewegung vollzieht: vom verborgenen Wanderer zum König, der die Bürde der Herrschaft bewusst annimmt, statt sie zu suchen. Gerade weil Menschen sterblich und damit wandelbar, fehlbar und dem Irrtum ausgesetzt sind, tragen sie im Handlungsgefüge die moralischen Entscheidungen, an denen sich der Ausgang des Ringkriegs tatsächlich bemisst, während die Elben als weitgehend feststehende, ihrem Wesen nach unveränderliche Größen im Hintergrund verharren.
Über die einzelnen Figuren hinaus stehen die Menschen als Volk für das Prinzip der Vergänglichkeit selbst, das dem gesamten Werk seinen elegischen Grundton verleiht. Ihre Städte verfallen, ihre Reiche zerbrechen, ihr Wissen geht verloren und muss von neuem errungen werden – ein Schicksal, das im scharfen Kontrast zur Erinnerungskraft und Beständigkeit der Elben steht und das Vergehen der Dinge als unausweichlichen Teil der erzählten Welt lesbar macht. Zugleich sind es gerade Menschen, denen am Ende die Zukunft Mittelerdes anvertraut wird, sodass ihre erzählerische Funktion nicht in bloßer Klage über das Verlorene aufgeht, sondern auch die Möglichkeit eines Neubeginns nach dem Abschied der älteren Völker offenhält.
Entwürfe und Varianten
In den frühesten Entwürfen zur Geschichte der Edain war Haleth, die spätere Häuptlingin des dritten Hauses, noch nicht als Frau angelegt: In den Grauen Annalen, einer der zentralen Vorstufen zur Quenta Silmarillion, findet sich der Übergang von einem männlichen Anführer zu der Häuptlingin, die dem Volk der Haladin schließlich ihren Namen gab, erst in einer späteren Überarbeitungsschicht des Textes. Christopher Tolkien vermerkt diesen Wandel eigens in seinem Kommentar zu den Annalen, ohne dass sich aus den erhaltenen Entwürfen ein Grund für die Änderung erschließen ließe; sie zeigt jedoch beispielhaft, wie wenig gefestigt selbst zentrale Gestalten der Menschengeschichte in den früheren Entwurfsstufen des Legendariums noch waren.
Auch das Verständnis von Sterblichkeit und Herkunft der Menschen blieb bis in Tolkiens letzte Schaffensjahre in Bewegung. In der Athrabeth Finrod ah Andreth, einem erst spät verfassten Streitgespräch zwischen dem Elben Finrod und der sterblichen Frau Andreth, entwickelte Tolkien den Gedanken, dass die Sterblichkeit der Menschen nicht deren ursprüngliche, von Ilúvatar bestimmte Natur gewesen sei, sondern erst durch eine Verfälschung ihres Wesens vor deren Erwachen zustande gekommen sei – eine Vorstellung, die dem einfacheren Bild von der Sterblichkeit als unmittelbarer „Gabe Ilúvatars“ deutlich widerspricht und die Tolkien in den begleitenden Essays als eine der spätesten und radikalsten Umdeutungen des gesamten Legendariums diskutierte, ohne sie in eine überarbeitete Fassung des Silmarillion zu übernehmen.