Herkunft und Namen

„Teleri“ bedeutet sinngemäß „die Letzten“ oder „Nachzügler“ – eine Benennung, die weniger ihre Zahl als vielmehr ihre Stellung beim Aufbruch von Cuiviénen beschreibt. Als sich die drei Völker der Elben auf den Ruf Oromes zur großen Wanderung gen Westen sammelten, brach dieses dritte als letztes auf und blieb auf dem langen Weg wiederholt zurück, zögernd und uneins über die Reise ins Ungewisse. Anders als die geschlossen geführten Vanyar und Noldor standen die Teleri von Beginn an unter der gemeinsamen Herrschaft zweier Brüder, Elwë und Olwe – ein Hinweis auf die lose, vielgestaltige Verfassung dieses zahlenmäßig größten der drei Völker.

Wer schließlich die Gestade Amans erreichte, trug neben dem alten Namen Teleri auch die Bezeichnung Falmari, „Volk des Schaums“ – ein Beiname, der ihre neu gewonnene Vertrautheit mit Brandung und Welle Eldamars ehrte und sie von jenen Verwandten unterschied, die das Meer niemals erblickten. Der Name Teleri selbst blieb daneben in Gebrauch, gerade weil er älter war als jede Bindung an eine bestimmte Küste: Er erinnerte an die gemeinsame Herkunft, während Falmari eine erst in Aman erworbene Eigenart benannte.

In der Abstammung unterscheiden sich die Teleri nicht von den beiden anderen Völkern: Sie erwachten mit ihnen gemeinsam an den Wassern von Cuiviénen unter dem Sternenlicht, ehe Sonne und Mond aufgingen, und wurden von Orome in die Zahl der Eldar, des „Volkes der Sterne“, aufgenommen – jener Elben, die sich zur Reise in den äußersten Westen entschlossen. Weil jedoch ein erheblicher Teil der Teleri diese Reise nie vollendete oder ganz in Mittelerde verblieb, wurde die Bezeichnung Eldar im engeren Sprachgebrauch mitunter allein auf jene angewandt, die Aman tatsächlich erreichten.

Geschichte

Der Zug der Teleri von Cuiviénen nach Westen verlief, anders als bei den geschlossen ziehenden Vanyar und Noldor, in ständigem Zögern und wiederholtem Zurückbleiben. Unter der gemeinsamen Führung Elwës und Olwes folgten sie den beiden voranziehenden Völkern erst mit deutlichem Abstand, und schon auf dem langen Weg brach ein Teil des Volkes ganz ab: An den Ufern eines großen Stromes wandte sich unter der Führung Lenwes eine Gruppe von der Wanderung ab und drang nicht weiter nach Westen vor. Sie blieben in den Wäldern Mittelerdes zurück und wurden später als Nandor bekannt, während der weit größere Rest des Volkes den Marsch unter den beiden Brüdern fortsetzte.

Als die Teleri endlich die Gestade Beleriands erreichten, verschwand ihr Anführer Elwë spurlos in den Wäldern von Nan Elmoth, wohin ihn der Gesang der Maia Melian gezogen hatte; Olwe suchte lange vergeblich nach dem Bruder, ehe er den Zug schließlich weiterführte. Ein beträchtlicher Teil des Volkes wollte Elwë jedoch nicht ohne ihn verlassen und blieb in Beleriand zurück; aus ihnen ging, als Elwë – nunmehr Thingol genannt – endlich aus dem Wald zurückkehrte, das Reich Doriath und das Volk der Sindar hervor. Andere wiederum siedelten sich unabhängig von Thingols Herrschaft an den Küsten an und wurden unter ihrem Führer Círdan als Falathrim bekannt, Erbauer der Häfen Brithombar und Eglarest.

Der verbliebene, weitaus größere Teil der Teleri unter Olwe wurde von Ulmo über das Meer nach Aman gebracht, nachdem dieser zuvor schon Vanyar und Noldor übergesetzt hatte. Auf der Fahrt gewannen die Teleri jedoch eine so tiefe Liebe zum Klang der Wellen, dass sie die Weiterreise immer wieder hinauszögerten; als Ulmo sie schließlich auf der im Meer verankerten Insel Tol Eressea ruhen ließ, verweilten sie dort über lange Zeit und schlossen enge Freundschaft mit dem Meeresvala Osse, der sie das Wesen der See und, wie manche erzählen, die Kunst des Schiffbaus lehrte. Erst später wurde die Insel weiter an die Küste Amans herangezogen, wo die Teleri endlich an Land gingen und am Ufer des Leuchtenden Golfs die Hafenstadt Alqualonde erbauten.

In Alqualonde entfalteten sich die Teleri zum Volk der Meister des Schiffbaus, das seine schwanenförmigen Schiffe aus dem perlweißen Gestein der Küste formte und in enger Freundschaft mit den Valar Osse und Uinen lebte. Anders als die Noldor, die sich in Tirion der Kunstfertigkeit in Metall und Stein zuwandten, blieb das Leben der Teleri auf das Meer und seine Nähe ausgerichtet, und Olwe herrschte als ihr König über ein Volk, das mit seinen Verwandten in Tirion zwar in Frieden, doch in stets loserer Bindung verbunden war.

Diese Bindung zerbrach, als Feanor nach dem Raub der Silmaril und dem Mord an seinem Vater die Noldor zur Flucht aus Aman aufwiegelte und, da ihm die eigenen Schiffe fehlten, die Flotte der Teleri für die Überfahrt nach Mittelerde forderte. Olwe verweigerte die Bitte, da er weder den Zorn der Valar auf sich ziehen noch sein Volk der Werke seiner Hände berauben wollte, woraufhin Feanors Gefolgschaft versuchte, die Schiffe mit Gewalt an sich zu bringen. In dem folgenden Kampf um die Anlegestellen Alqualondes fielen zahlreiche wehrlose Teleri unter den Schwertern der Noldor, ehe ein Teil der Noldor unter Fingolfin und Finrod den Angreifern zur Hilfe gegen ihre eigenen Verwandten eilte – der erste Sippenmord in der Geschichte der Elben.

Nach dem Verlust so vieler ihrer Schiffe und Angehörigen zogen sich die Teleri von Alqualonde verbittert von den Noldor zurück und nahmen an deren weiterem Weg nach Mittelerde keinen Anteil mehr. Erst am Ende des Ersten Zeitalters, als die Valar zum Krieg gegen Morgoth aufbrachen, ließen sich die Teleri überreden, die Flotte zu stellen, die das Heer Valinors über das Meer trug, ohne selbst an den Kämpfen teilzunehmen. Nach dem Sieg im Krieg des Zorns blieben die Teleri weiterhin in Aman ansässig, während ihre in Beleriand verbliebenen Verwandten, die Sindar und Falathrim, als eigenständiges Volk in Mittelerde durch die folgenden Zeitalter fortbestanden.

Lebensweise und Werke

Mehr als jedes andere Volk der Eldar richteten die Teleri ihr Leben nach dem Rhythmus des Meeres aus, und von Osse erfuhren sie dessen Wesen in einer Tiefe und Vertrautheit, die kein anderes Volk der Eldar teilte. Diese Nähe prägte auch ihre Musik: Wo die Vanyar in Liedern vor allem die Valar priesen und die Noldor Wissen und Geschichte in Worte fassten, sangen die Teleri vom Wellenschlag, den Gezeiten und der Weite des Meeres, und solcher Gesang erfüllte die Straßen und Hallen Alqualondes.

Ihren Sinn für Schönheit richteten die Teleri weniger auf die Bearbeitung von Metall und Edelstein, wie sie unter den Noldor in Tirion hohes Ansehen genoss, als auf die Gaben, die das Meer selbst bereithielt: Perlen und Muscheln, die sie mit Uinens Hilfe aus den Untiefen vor Alqualonde bargen, trugen sie als Schmuck an Kleidern und Gürteln. Zugleich blieben die Teleri, anders als die stets nach neuem Wissen strebenden Noldor, einem einzigen vertrauten Ort in besonderer Weise verbunden; ihre Sitte war eher auf Beständigkeit als auf Wanderschaft und Erneuerung gerichtet, eine Neigung, die sich schon in ihrem zögernden Marsch von Cuiviénen gezeigt hatte.

Auch sprachlich gingen die Teleri eigene Wege. Die nach Aman gelangten unter ihnen bewahrten neben der Gemeinsprache der Eldalië ihr eigenes Telerin, das dem Quenya nahestand, sich aber schon durch die lange Trennung während des Zuges von diesem entfernt hatte. Weit tiefgreifender wandelte sich die Sprache jener, die unter Thingol in Beleriand zurückblieben: Über die Zeitalter hinweg entstand aus ihrer Rede das Sindarin, das sich von der Sprache der Verwandten in Aman so weit entfernte, dass es den zurückkehrenden Noldor im Ersten Zeitalter fremd war, bis sie es als Sprache des täglichen Umgangs in Mittelerde annahmen.

Stämme, Häuser und Anführer

Aus dem einen Volk der Teleri gingen im Verlauf ihrer Wanderung mehrere eigenständig benannte Zweige hervor, die der Überlieferung nach nicht als Häuser eines Fürstengeschlechts, sondern als eigenständige, meist nach Landschaft oder Anführer benannte Gemeinschaften galten. Ausgehend von der geteilten Führung der Brüder Elwë und Olwe unterscheidet die Erzählung vier hauptsächliche Zweige: die im Osten zurückgebliebenen Nandor, die Sindar um Elwë, der später Thingol genannt wurde, die Falathrim unter Círdan an der Küste Beleriands sowie die Teleri Amans, auch Falmari genannt, unter der Königsherrschaft Olwes in Alqualonde.

Von den Nandor selbst spaltete sich später ein weiterer Zweig ab: Unter der Führung Denethors, eines Sohnes Lenwes, überstiegen sie die Blauen Berge und ließen sich in Ossiriand, dem Land der sieben Ströme, nieder, wo sie fortan als Laiquendi, die Grünelben, bekannt waren, während jene Nandor, die diesen Schritt nicht mitgingen, östlich der Berge in den Wäldern verblieben und dort ein eigenes, von Doriath und Alqualonde getrenntes Dasein führten.

Innerhalb der nach Aman gelangten Teleri bildete sich dagegen keine vergleichbare weitere Aufspaltung in Häuser; unter Olwes Königtum blieben sie ein einziges Volk in Alqualonde. Eine Verbindung zu den Noldor entstand gleichwohl durch Olwes Tochter Earwen, die Finarfin heiratete und so Mutter der später als Finrod, Angrod, Aegnor und Galadriel bekannten Kinder wurde, wodurch telerisches Blut in eines der Fürstenhäuser der Noldor gelangte. Unter den Sindar wiederum blieb Círdan trotz seiner engen Bindung an Thingol als Herr der Falathrim ein eigenständiger Anführer seines eigenen Volkes, dessen Häfen Brithombar und Eglarest nicht unmittelbar Doriaths Herrschaft unterstanden.

Rolle in der Erzählung

In der Erzählung des Silmarillion treten die Teleri kaum als Handelnde hervor, sondern als jenes Volk, an dem sich die Verfehlung der anderen bemisst. Ihre Friedfertigkeit, ihre Bindung an einen einzigen Ort und ihre Liebe zu einer Kunst, die niemandem schadet, werden gerade deshalb so ausführlich gezeichnet, damit der spätere Bruch mit den Noldor sein volles Gewicht entfaltet. Die Erzählung braucht dieses Bild eines unschuldigen, in sich ruhenden Volkes, um zu zeigen, wie tief der Fall der Noldor reicht: Nicht ein Feind wird zuerst getroffen, sondern die Verwandten, die am wenigsten mit der Unrast und dem Ehrgeiz zu tun haben, welche die Katastrophe herbeiführen.

Innerhalb der Handlung dienen die Teleri vor allem als Prüfstein für den moralischen Zustand der Noldor: Ihre Weigerung, die Schiffe herzugeben, ist keine Feindseligkeit, sondern schlichte Treue zu dem, was ihre Hände geschaffen haben, und gerade diese Unschuld macht die Gewalt, die ihnen widerfährt, zum Wendepunkt der gesamten Erzählung. Von diesem Augenblick an trägt jede Figur, die an jenem Kampf beteiligt war, dessen Last weiter, und der Fluch, den Mandos über die Noldor spricht, bezieht sein Gewicht wesentlich aus dem Bild der überraschten, kaum wehrhaften Teleri. Die Erzählung nutzt sie damit weniger als Träger einer eigenen Handlung als vielmehr als Maßstab, an dem die Schuld der anderen erst sichtbar wird.

Nach Alqualonde verschwinden die Teleri fast vollständig aus dem weiteren Geschehen und kehren erst am Ende des Ersten Zeitalters kurz zurück, als sie widerwillig die Flotte für den Krieg des Zorns stellen, ohne selbst zu kämpfen. Diese anhaltende Zurückhaltung ist selbst erzählerisch bedeutsam: Sie markiert einen Weg des elbischen Daseins, den die Noldor mit ihrem Aufbruch verlassen haben, ein Leben, das an einem Ort verharrt, statt Geschichte durch Tat und Anspruch zu suchen. Die Teleri stehen so, ohne selbst je Hauptfiguren zu werden, für eine Möglichkeit des Verzichts, an der die Handlung die Kosten des noldorischen Ehrgeizes misst.

Entwürfe und Fassungen

In den frühesten Fassungen der Mythologie, wie sie in den Verlorenen Geschichten überliefert sind, trug ausgerechnet jenes Volk den Namen „Teleri“, das später als Vanyar bekannt wurde – die zuerst aufgebrochenen, dem Licht der Bäume am nächsten stehenden Elben. Das dritte, seefahrende Volk hieß in dieser frühen Stufe dagegen Solosimpi, ein Name, der ihre Nähe zum Meeresgott Osse und ihre Vorliebe für Musik am Gestade betonte. Erst im Zuge der Überarbeitung der Erzählungen wanderte die Bezeichnung Teleri vom ersten zum dritten Volk, während der ältere Name Solosimpi allmählich zurücktrat und schließlich nur noch als eine von mehreren älteren Bezeichnungen neben dem jüngeren Beinamen Falmari fortlebte.

Auch der Anführer des in Beleriand zurückbleibenden Teils dieses Volkes trug ursprünglich einen anderen Namen: In den Verlorenen Geschichten heißt die spätere Gestalt Elwës und Thingols noch Tinwelint, Herrscher eines Waldreichs, dessen Geschichte in wesentlichen Zügen bereits der späteren Erzählung von Doriath entspricht, ohne jedoch von Beginn an mit den Vanyar und Noldor über eine gemeinsame Herkunft aus Cuiviénen verknüpft zu sein. Erst mit der Ausarbeitung der Quenta Noldorinwa festigte sich die Zuordnung, wie sie später im Silmarillion Bestand hatte: Teleri als Name des dritten, größten Volkes, Solosimpi nur noch als älterer Beiname im Hintergrund, und Tinwelint wich der Gestalt Elwës, dessen Weg über Beleriand in das spätere Thingol-Königtum führte.