Herkunft und Namen

Idril war die einzige Tochter Turgons, des zweiten Sohnes Fingolfins, und seiner Gemahlin Elenwe. Damit gehörte sie zum Königshaus der Noldor und stand in unmittelbarer Nachkommenschaft Finwes, des ersten Herrschers dieses Volkes in Aman. Geboren wurde sie noch in Valinor, im Licht der Zwei Bäume, und zählte so zu jenen Noldor, die das Gesegnete Reich aus eigener Anschauung kannten – ein Umstand, der sie von den in Mittelerde geborenen Elben ihrer Sippe unterschied. Über ihre Mutter war sie zudem mit den Vanyar verbunden, denn Elenwe stammte aus diesem Volk.

Ihr Beiname Celebrindal wird als „Silberfuß“ gedeutet und rührt daher, dass sie gewohnheitsmäßig barfuß ging; das sindarinische Element celeb- für „Silber“ begegnet auch in anderen Namen wie Celeborn oder Celebrant. Die Bezeichnung verweist zugleich auf ihr Erscheinungsbild: Ihr Haar war golden wie das der Vanyar, dem Volk ihrer Mutter, eine Färbung, die unter den Noldor selten blieb und die auch das Haus Finarfins auszeichnete. In den Überlieferungen erscheint sie durchweg unter der Doppelform Idril Celebrindal, während der Beiname allein nur gelegentlich gebraucht wird.

Als Angehörige des Hauses Fingolfin teilte Idril das Schicksal der Noldor, die Aman verließen; der Übergang über das Eis der Helcaraxe kostete ihre Mutter das Leben, während Idril selbst gerettet wurde. Ihr weiterer Weg führte sie mit dem Volk ihres Vaters schließlich in die verborgene Stadt Gondolin, in der sie als Königstochter ihren festen Platz einnahm. Von ihr wird berichtet, dass sie in besonderem Maße mit Weitsicht begabt war – einer Wachheit für Kommendes, die weniger in Weissagung als in einem ungewöhnlich klaren Urteil über Menschen und Umstände bestand. Diese Gabe prägt das Bild, das die Quellen von ihr zeichnen, stärker als jede Beschreibung ihrer Stellung oder ihres Ranges.

Geschichte

Der weitaus größte Teil dessen, was von Idril berichtet wird, spielt in Gondolin, der von ihrem Vater auf der Höhe Amon Gwareth inmitten der Ebene Tumladen errichteten Stadt. Als einziges Kind des Königs hatte sie dort Anteil an den Beratungen ihres Hauses, und ihr Wort besaß Gewicht. In diese Jahre fällt die Aufnahme Maeglins, des Sohnes von Turgons Schwester Aredhel, der nach dem Tod seiner Mutter in der Stadt blieb und rasch zu hohem Ansehen aufstieg. Maeglin fasste eine Neigung zu Idril, die nach dem Brauch der Eldar unter so nahen Verwandten nicht statthaft war; sie erwiderte sie nicht und begegnete ihm von Beginn an mit Zurückhaltung. Da er sein Verlangen verbarg, aber nicht aufgab, entstand zwischen beiden ein Verhältnis, das über lange Zeit unausgesprochen blieb und dennoch das Leben der Stadt im Verborgenen mitbestimmte.

Lange nach der verlorenen Schlacht Nirnaeth Arnoediad kam der Mensch Tuor, Sohn Huors, nach Gondolin. Ulmo hatte ihn an der Küste von Nevrast gesandt und ihm den Elben Voronwe als Führer zugewiesen, der ihn durch die Umzingelnden Berge und die verborgenen Wachen bis vor Turgons Thron brachte. Tuor überbrachte die Botschaft des Vala, der König solle die Stadt aufgeben und sein Volk zur Mündung des Sirion führen, doch Turgon vertraute auf die Stärke seiner Mauern und lehnte ab; Tuor selbst jedoch behielt er bei sich und ehrte ihn. So lebte der Sterbliche als Gast im Hause des Königs, und Idril und er wandten einander ihre Zuneigung zu. Maeglin, der schon gegen Tuors Aufnahme geraten hatte, sah diese Entwicklung mit wachsendem Groll.

Turgon gab seine Einwilligung, und die Vermählung Idrils mit Tuor wurde in Gondolin mit einem großen Fest begangen, an dem das ganze Volk der Stadt teilhatte. Es war nach Beren und Lúthien erst die zweite Ehe zwischen Eldar und Edain, und die Überlieferung misst ihr entsprechendes Gewicht bei, weil aus ihr die Linie hervorging, die später Elrond und Elros und damit die Könige von Númenor umfasste. Aus dieser Ehe wurde Earendil geboren, von dem berichtet wird, dass sich in ihm die Art beider Geschlechter mischte. Maeglin dagegen zog sich in einen Hass zurück, den er nach außen hin nicht zeigte, und Idril war die Einzige, die ihn durchschaute.

Aus diesem Misstrauen erwuchs die Tat, für die Idril vor allem in Erinnerung blieb. Ohne Wissen ihres Vaters und ohne Kenntnis Maeglins ließ sie einen Gang anlegen, der tief unter der Stadt begann, unter der Ebene hindurchführte und weit außerhalb der Mauern ins Freie mündete; sein Ausgang wurde sorgfältig verborgen, und nur wenige Vertraute wussten von ihm. Zugleich sorgte sie vor, indem sie Vorräte bereithalten und die Ihren auf einen möglichen Aufbruch vorbereiten ließ. Tuor unterstützte sie darin, nachdem Turgon die Warnung Ulmos endgültig zurückgewiesen und die Ausgänge des Reiches noch fester hatte verschließen lassen. Die Quellen lassen offen, wie viele Jahre der Bau in Anspruch nahm; sie betonen jedoch, dass er ohne den Willen des Königs und gegen die herrschende Zuversicht der Stadt geschah.

Der Anlass kam, als Maeglin entgegen dem Verbot Turgons jenseits der Berge nach Erzen suchte und dabei Dienern Morgoths in die Hände fiel. Nach Angband gebracht, verriet er die Lage der Stadt und die Wege ihrer Bewachung; als Preis wurde ihm die Herrschaft über Gondolin und der Besitz Idrils zugesagt. Er kehrte zurück, verhielt sich unauffällig und wartete. Der Angriff traf die Stadt in der Nacht vor dem Sonnenwendfest, als das Volk auf den Mauern den Aufgang der Sonne erwartete: Über die Umzingelnden Berge kamen Balrogs, Drachen und Orkheere. Idril rüstete sich und sammelte die Ihren; Maeglin aber griff im Getümmel nach ihr und nach dem Kind Earendil und wurde von Tuor im Kampf auf den Mauern überwältigt und in die Tiefe geworfen.

Schicksal verhüllt — enthüllenSchicksal enthüllt — wieder verhüllenDieser Abschnitt verrät, wie es ausgeht.

Schicksal

Während die Stadt brannte, führten Idril und Tuor einen Zug von Überlebenden durch den vorbereiteten Gang ins Freie. Der Weg ins Gebirge führte über den engen Pass Cirith Thoronath, wo die Flüchtenden in einen Hinterhalt gerieten; Glorfindel fiel dort im Kampf gegen einen Balrog, und Thorondor trug seinen Leichnam empor, damit er bestattet werden konnte. Die Überlebenden erreichten das Weidenland Nan-tathren und ließen sich schließlich an den Mündungen des Sirion nieder, wo sich mit den Flüchtlingen aus Doriath eine Siedlung am Meer bildete. Dort wuchs Earendil heran und nahm später Elwing zur Frau. Tuor jedoch ergriff im Alter die Sehnsucht nach der See; er baute das Schiff Earráme, und Idril fuhr mit ihm in den Westen. Was aus ihnen wurde, sagt keine Überlieferung mit Gewissheit; die Lieder berichten nur, dass Tuor als einziger Sterblicher dem älteren Geschlecht zugezählt worden sei. Eine in den Unfinished Tales bewahrte Nebenüberlieferung fügt hinzu, dass Idril in Gondolin einen grünen Stein besaß, den sie beim Abschied ihrem Sohn hinterließ.

Rolle und Fähigkeiten

Im Gefüge der Erzählungen nimmt Idril eine Stellung ein, die weniger auf einem Amt als auf Verwandtschaft und Urteil beruht. Als einziges Kind Turgons war sie die Erbin eines Reiches, das den Tod seines Königs nicht überdauerte; ein eigenes Herrscheramt hat sie nie ausgeübt, und an keiner Stelle nennen die Quellen sie Königin. Ihr Gewicht in der Überlieferung liegt darin, dass in ihr zwei Linien zusammenlaufen – die des Hauses Fingolfin und, durch ihre Ehe, die der Edain. Damit wird sie zum Bindeglied zwischen den Kriegen Beleriands und dem, was den Untergang der Elbenreiche überdauerte. Entsprechend behandeln die Berichte sie nicht als Handelnde des Krieges, sondern als Figur, an der sich der weitere Verlauf entscheidet.

Von Fähigkeiten im engeren Sinne berichtet die Überlieferung wenig. Idril werden keine Werke der Kunstfertigkeit zugeschrieben, keine Waffentaten und keine Macht über Naturkräfte, wie sie etwa von Melian in Doriath erzählt wird. Was ihr zugeschrieben wird, ist ein Erkennen: Sie durchschaute Maeglins verborgene Gesinnung, während König und Rat sie nicht wahrnahmen, und sie nahm die Botschaft Ulmos ernster, als ihr Vater es tat. Die Grenzen dieser Gabe sind in den Quellen deutlich markiert. Sie reichte nicht aus, Turgon umzustimmen; sie verhinderte den Verrat nicht, sondern milderte nur dessen Folgen; und sie gab kein Wissen über Zeitpunkt oder Verlauf des Angriffs, sondern lediglich die Gewissheit, dass Vorsorge nötig sei. Auch besaß Idril keine Befehlsgewalt: Dass der Gang unter der Stadt heimlich entstehen musste, zeigt, dass ihr die Mittel fehlten, offen gegen den Willen des Königs zu handeln.

Der Ertrag ihres Handelns lässt sich genau benennen und ist zugleich begrenzt: Gerettet wurde ein Rest, nicht das Reich. Gondolin wurde nicht wiederbegründet, die Schar der Entkommenen blieb klein, und der Weg über das Gebirge kostete weitere Leben. Die eigentliche Wirkung ihrer Vorsorge zeigte sich erst eine Generation später und nicht mehr durch sie selbst, sondern durch ihren Sohn, dessen Fahrt über das Meer das Anliegen beider Geschlechter vor die Valar brachte. Darin liegt die Eigenart ihrer Rolle: Idril wendet keine Schlacht, sie hält eine Möglichkeit offen. Die Überlieferung wertet das nicht als geringere Leistung, sondern behandelt es als Bedingung dafür, dass die Geschichte Beleriands überhaupt zu einem Ausgang gelangte.

Verwandtschaft und Bindungen

Die engste Bindung Idrils war die an ihren Vater. Nach dem Verlust Elenwes blieb sie Turgon als einzige nahe Angehörige, und die Quellen betonen, dass er sie über alles liebte; zugleich richtete sich in ihr die Erinnerung an eine Mutter, die den Weg nach Mittelerde nicht überlebt hatte. Dieses Verhältnis erklärt sowohl ihre Nähe zu den Entscheidungen des Königs als auch die Grenze ihres Einflusses: Turgon hörte sie an, folgte ihr aber nicht, wo sein eigenes Urteil feststand. Bezeichnend ist, dass er ihrer Verbindung mit einem Sterblichen zustimmte, während er die Botschaft, die derselbe Sterbliche überbrachte, verwarf – Zuneigung und Ratschluss lagen bei ihm nicht auf derselben Ebene.

Das Gegenstück dazu bildet Maeglin, mit dem sie über Turgons Schwester Aredhel verwandt war. Gerade die Sippenbindung verschaffte ihm Zugang zum Königshaus und Ansehen im Rat; sie war es auch, die seine Neigung aussichtslos machte, denn eine Ehe zwischen Geschwisterkindern galt den Eldar als unzulässig. Idrils Abneigung setzte nach der Überlieferung ein, bevor ein Anlass sichtbar war – sie erscheint weniger als Urteil über Taten denn als Empfinden gegenüber einem Wesen. Damit steht hier eine Verwandtschaft, die schützen sollte, am Anfang des Verrats, während umgekehrt die Bindung an einen Fremden das Überleben ermöglichte.

Mit Tuor verband sie kein Verhältnis von Rang und Untergebenheit, sondern eines des gemeinsamen Rats: Er nahm ihre Sorge ernst, wo der König sie beiseiteschob, und half ihr bei einem Vorhaben, das gegen dessen Willen gerichtet war. Auch Turgon schätzte Tuor beinahe wie einen Sohn, sodass sich um Idril ein Kreis dreier Menschen legte, die einander zugetan waren und dennoch in der entscheidenden Frage auseinandertraten. Ihrem Sohn gegenüber erscheint sie in den Berichten vor allem als Bewahrende, und die Verbindung reicht über sie hinaus: Über Earendil und Elwing wurde sie zur Vorfahrin jener Linie, an der später Menschen und Elben zugleich Anteil hatten.

Entwürfe und Varianten

Idril gehört zu den wenigen Gestalten des Legendariums, die bereits in der frühesten erhaltenen Erzählung fast vollständig ausgeprägt sind. „The Fall of Gondolin“, um 1916–17 niedergeschrieben und in The Book of Lost Tales, Part Two abgedruckt, zeigt sie schon goldhaarig, barfuß gehend, mit dem Beinamen des Silberfußes, als Gemahlin Tuors und Mutter Eärendels – der Name des Sohnes trägt dort noch die ältere Schreibung mit -el. Auch die entscheidenden Züge sind vorhanden: ihr Misstrauen gegenüber dem Verräter, der in dieser Fassung Meglin heißt, der heimlich angelegte Gang unter der Stadt und die Rettung eines Restes der Bevölkerung durch ihn. Die dem Text beigegebene Namensliste nennt neben der gnomischen Form Idril Talceleb eine Entsprechung in der älteren Elbensprache, Irildë Taltelepta, beide mit derselben Bedeutung; die Zweisprachigkeit der Namen war also von Anfang an mitgedacht.

In den folgenden Jahrzehnten veränderte sich weniger die Figur als der Umfang, in dem von ihr erzählt wurde. Die knappen Zusammenfassungen der Zwischenzeit – der „Sketch of the Mythology“ und die Quenta Noldorinwa – verkürzen ihren Anteil auf wenige Sätze, während die Namensform selbst stabil blieb; in den etymologischen Aufzeichnungen der dreißiger Jahre erscheint Idril mit dem hochelbischen Gegenstück Írildë. Um 1951 setzte Tolkien zu einer breit angelegten Neufassung an, die den Weg Tuors nach Gondolin ausführlich schildert, dann aber kurz nach dessen Ankunft in der Stadt abbricht. Von der Zerstörung, dem Verrat und der Flucht existiert daher keine späte, ausgearbeitete Darstellung; alles Erzählerische dazu stammt aus dem Jugendwerk, alles Spätere aus Übersichten. Christopher Tolkien hat diesen Befund mehrfach hervorgehoben und die Fassungen 2018 in einem eigenen Band nebeneinandergestellt.