Name und Herkunft
Der Name, unter dem diese Verwandtschaft in den Überlieferungen erscheint, ist elbischen Ursprungs. „Peredhil“ – Einzahl „Peredhel“ – ist sindarinisch und bedeutet sinngemäß „Halbelben“; es ist eine Fremdbezeichnung, mit der die Eldar jene benannten, in denen die Geschlechter der Elben und der Menschen zusammentrafen, nicht ein Name, den sich ein eigenständiges Volk selbst gegeben hätte. Im Anhang zum Herrn der Ringe werden Elros und Elrond ausdrücklich als „die Peredhil oder Halbelben“ bezeichnet, und die Übersetzung „Half-elven“ ist es, die sich im Englischen als feste Benennung durchgesetzt hat.
Die Herkunft des vermischten Blutes reicht zwei Generationen zurück und läuft über zwei getrennte Verbindungen zusammen. Väterlicherseits stammte Earendil von Tuor ab, einem Menschen aus dem Volk der Edain, der Idril, die Tochter des Elbenkönigs Turgon von Gondolin, zur Frau nahm. Mütterlicherseits war seine Gemahlin Elwing die Enkelin von Beren und Lúthien, jenem Menschen und jener Elbin, deren eigene Verbindung eine Generation zuvor über ihren Sohn Dior dieselbe Grenze überschritten hatte. In Earendil und Elwing kamen somit zwei bereits gemischte Linien zusammen, ehe sie sich in deren Söhnen Elrond und Elros ein weiteres Mal vereinten.
Wie genau „halb“ zu verstehen ist, lässt sich am Stammbaum freilich nicht ablesen: Lúthiens eigene Mutter war die Maia Melian, sodass in der Ahnenreihe neben Elben- und Menschenblut auch das der Ainur floss – die Bezeichnung „Peredhil“ beschreibt also eher eine ungeklärte Zugehörigkeit als ein rechnerisches Verhältnis. Entsprechend eng gefasst ist auch ihr Gebrauch in den Quellen: Das Register der Namen zum Silmarillion wendet den Begriff nicht auf jeden Nachfahren dieser Linie an, sondern ausdrücklich nur auf Earendil und seine beiden Söhne.
Geschichte
Die früheste geschichtliche Station der Peredhil betrifft noch nicht sie selbst, sondern ihre Herkunft: Als die Söhne Feanors am Ende des Ersten Zeitalters die Häfen von Sirion überfielen, um den dort verwahrten Silmaril zurückzuerlangen, warf sich Elwing mit dem Kleinod ins Meer, ehe sie in Vogelgestalt entkam und zu Earendil auf See fand. Ihre neugeborenen Zwillingssöhne Elrond und Elros blieben zurück und gerieten in die Hände der Angreifer. Maglor, einer der beiden letzten noch lebenden Söhne Feanors, nahm sich der Kinder an und zog sie auf, wie es heißt nicht ohne Zuneigung, obwohl er und sein Bruder Maedhros für den Überfall verantwortlich waren, der ihre Mutter vertrieben hatte.
Nach Earendils Fahrt nach Valinor und dem Krieg des Zorns, der Morgoth stürzte, fällten die Valar ihr Urteil über die Familie: Earendil und Elwing sollten nicht mehr unter Elben oder Menschen in Mittelerde wandeln, doch wurde ihnen freigestellt, sich für eines der beiden Geschlechter zu entscheiden. Beide wählten, den Eldar zugerechnet zu werden. Als dieselbe Wahl später an ihre Söhne weitergereicht wurde, entschieden sich die Brüder gegensätzlich: Elrond blieb bei den Elben, während Elros das Los der Menschen und mit ihm die Sterblichkeit annahm.
Im Zweiten Zeitalter blieb Elrond in Mittelerde und trat in den Dienst des Hochkönigs Gil-galad. Als Saurons Heere im Verlauf jenes Zeitalters Eriador überzogen und die elbischen Schmieden von Eregion vernichteten, führte Elrond die Überlebenden in ein verborgenes Tal jenseits der Nebelberge und gründete dort Bruchtal, das fortan als eine der letzten sicheren Zufluchten der Elben in Mittelerde Bestand haben sollte.
Elros dagegen wurde mit den ihm verbliebenen Edain auf die den Menschen zum Lohn geschenkte Insel Númenor geführt und dort zu ihrem ersten König erhoben. Als Herrscher nahm er den Namen Tar-Minyatur an und begründete das Königshaus, das Númenor durch die folgenden Zeitalter regieren sollte. Sein eigenes Leben währte, der Gabe seines Volkes entsprechend, weit über die Spanne gewöhnlicher Menschen hinaus, blieb aber, wie er gewählt hatte, endlich.
Während des gesamten Dritten Zeitalters blieb Bruchtal unter Elronds Führung ein Hort des Wissens um die vergangenen Zeitalter, und Elrond selbst, Träger eines der Drei Ringe der Elben, wurde zu einem der maßgeblichen Berater im Widerstand gegen Sauron; in seinem Haus fiel am Ende des Zeitalters der Rat, der über die Vernichtung des Einen Rings entschied. Elros' Linie setzte sich unterdessen als Königshaus Númenors fort und, nach dessen Untergang, in den Dúnedain-Reichen Arnor und Gondor; aus dieser versprengten, doch ununterbrochenen Nachkommenschaft ging schließlich Aragorn hervor.
Erst mit Aragorns Erhebung zum König von Arnor und Gondor am Ende des Dritten Zeitalters und seiner Vermählung mit Arwen, Elronds Tochter, fanden die beiden lange getrennten Zweige der Peredhil wieder zueinander. Auch Arwen stand vor der Wahl, die schon ihre Vorfahren getroffen hatten, und entschied sich, wie einst Elros, für das Los der Sterblichkeit, um an Aragorns Seite zu bleiben. Elrond selbst nahm daran keinen Teil mehr: Nach Saurons Sturz verließ er mit den übrigen Trägern der Drei Ringe und einem Großteil der noch verbliebenen Noldor Mittelerde über das Meer, sodass mit seinem Abschied die elbische Seite der Peredhil aus den Landen diesseits des Meeres schwand, während ihr sterbliches Erbe in den Königen von Gondor und Arnor fortlebte.
Wesen, Lebensart und Wahl
Was die Peredhil von den übrigen Völkern Mittelerdes unterschied, war weniger eine eigene Lebensweise als ihre Stellung zwischen zwei Ordnungen des Daseins. Sie begründeten kein eigenständiges Volk mit eigenem Handwerk, eigener Sprache oder eigenen Sitten, sondern wuchsen jeweils in die Kultur hinein, die ihre Erziehung prägte – Elrond unter Elben, zunächst bei Maglor, später als Herr eines elbischen Hauses; Elros unter den Edain, ehe er zum König der Menschen erhoben wurde. Ihre Besonderheit lag darin, dass ihnen, anders als allen anderen Geschöpfen, eine Wahl offenstand, die sonst niemandem gewährt wurde: nicht die Zugehörigkeit zu einem Volk durch Geburt, sondern durch Entscheidung.
Aus dieser Wahl folgte das eigentlich Trennende: das Verhältnis zu Tod und Zeit. Wer sich für die Eldar entschied, wie Elrond, empfing deren Unsterblichkeit innerhalb der Kreise der Welt und mit ihr auch deren gebundenes Schicksal, an das Dasein Ardas selbst geknüpft zu bleiben. Wer sich, wie Elros, für die Menschen entschied, nahm deren Sterblichkeit an – wenngleich als Gabe verklärt und um ein Vielfaches über das gewöhnliche Menschenmaß hinaus verlängert, wie es später auch den Königen Númenors aus seinem Geschlecht zuteilwurde. Diese Sterblichkeit war den Elben zufolge kein Verlust, sondern ein Loslassen der Welt, dessen letzter Sinn ihnen selbst verschlossen blieb.
Bezeichnend ist zudem, dass die Wahl nicht mit den beiden Brüdern endete, sondern sich als Möglichkeit in ihrer Nachkommenschaft fortsetzte, auch wenn sie nur einmal wieder ausdrücklich bezeugt ist. Dieselbe Entscheidung, vor die einst Elrond und Elros gestellt worden waren, kehrte an ihre Erben zurück, ohne dass sie durch Geburt oder Erziehung vorgezeichnet gewesen wäre. Darin liegt der eigentliche Unterschied zu jedem anderen Volk Mittelerdes: Die Peredhil lebten nicht zwischen zwei Kulturen, sondern jeder von ihnen musste, sobald die Wahl an ihn erging, sich für eines von zwei möglichen Enden seines Daseins entscheiden.
In der Erzählung
Innerhalb der eigentlichen Romanhandlung ist Elrond weniger Gegenstand einer eigenen Geschichte als Angelpunkt fremder: Sein Haus in Bruchtal ist der Ort, an dem sich die Fäden der Vorgeschichte und der gegenwärtigen Bedrohung bündeln, ehe die Erzählung ihren Lauf nimmt. Als weit gereister Zeitzeuge zurückliegender Zeitalter verleiht er dem Buch eine Tiefendimension, die sonst nur berichtet, nicht erlebt würde: Wenn er auf dem Rat, der über den Einen Ring entscheidet, von Ereignissen spricht, an denen er selbst beteiligt war, wird Vorgeschichte zu bezeugter Erinnerung. Erzähltechnisch ist er damit die Instanz, die dem Leser Zugang zur Tiefe von Mittelerdes Vergangenheit verschafft, ohne dass die Handlung selbst dorthin zurückkehren müsste. Die Liebe zwischen Aragorn und Arwen verläuft, anders als der Krieg um den Ring, größtenteils außerhalb des eigentlichen Erzähltextes und wird erst im Anhang nachgetragen – eine Zurückhaltung, die ihr den Charakter einer stillen Gegenstimme zur lauten Haupthandlung gibt. Bezeichnend ist, dass die Erzählung selbst auf ihr Vorbild verweist: Aragorn singt den Gefährten das Lied von Beren und Lúthien, ehe der Leser ahnt, dass sich dasselbe Muster von Liebe, Sterblichkeitswahl und Trennung an seiner eigenen Gestalt wiederholen wird. Die Handlung weiß gewissermaßen um ihre eigene Wiederkehr, und diese bewusste Spiegelung verleiht der Liebesgeschichte ihr Gewicht, obwohl sie im Vordergrund kaum sichtbar wird. Über die einzelnen Figuren hinaus tragen die Peredhil im Buch eine Spannung, die dessen eigentliches Thema berührt: das Nebeneinander von elbischer Wehmut über das Vergehen ihrer Zeit in Mittelerde und der menschlichen Frage, was ein endliches Leben wert sei. Weil Elrond und, in ihrer Wahl, auch Arwen diese Spannung nicht nur bezeugen, sondern am eigenen Schicksal durchleben, wird ein Gedanke, der sonst abstrakt bliebe, in der Erzählung an konkreten, dem Leser vertrauten Personen greifbar.